Au Soldat de l'An 2

Verifiziert von Rolf Klöckner
Au Soldat de l'An 2
Au Soldat de l'An 2
Au Soldat de l'An 2
Au Soldat de l'An 2
1 Rue de Saverne, 57370 Phalsbourg, Frankreich
1 Rue de Saverne Phalsbourg Lorraine 57370 FR

(K)ein Ort für Könige

In dem Ort, in dem die Gänseleber gefeiert wird, ist FORUM-Kritiker Rolf Klöckner gerne unterwegs. Eines seiner Stammlokale ist das „Soldat de L‘An II“ in Phalsbourg. Der ungewöhnliche Name des Restaurants stammt aus der Französischen Revolution.

Seit Jahren führt mich mein kulinarischer Weg nach Frankreich. Besonders im Osten, in den Regionen Elsass und Lothringen, finden Feinschmecker ein regelrechtes Paradies vor. Eine meiner ersten Adressen in der Umgebung ist das Hotel-Restaurant „Soldat de L´An II“ in Phalsbourg. Seit 34 Jahren ein Kleinod des Genusses. Phalsbourg, da war doch was?

Überregionale Aufmerksamkeit von Gourmets aus allen Teilen der Großregion erlangt die „Fête du Foie Gras“ , das „Fest der Gänseleber“. Es zählt als das kulinarische Schaufenster der Regionen Lothringen und Elsass. Alljährlich, am zweiten und dritten Wochenende in der Adventszeit, wird in Phalsbourg gefeiert. Nicht nur das Federvieh kommt hier groß raus. Regionale Anbieter präsentieren Produkte wie Fleisch- und Wurstwaren aller Art, Confiserie und Patisserie, Edelbrände, Meeresfrüchte, Weine, Champagner und Crémant. Ins Leben gerufen wurde das Fest im Jahr 1996 von Georges Victor Schmitt, dem Patron des Phalsbourger Sterne-Restaurants „Au Soldat de l‘An II“. Veranstaltet wird das Fest allerdings vom Verkehrsamt der Stadt Phalsbourg.

Auch außerhalb der Festzeit lohnt ein Besuch. Georges Schmitt überrascht seine Gäste mit kulinarischer Sinnlichkeit und Harmonie. Neben der berühmten Gänsestopfleber, dem bretonischen Hummer und der Trüffelmousseline sowie dem Wild aus der Region, können viele köstliche Gerichte während der verschiedenen Jahreszeiten genossen werden. Eingebettet ist das Gourmet-Haus in eine umgebaute Scheune mitten in einem herrlichen, schattigen Park. Am Fuße der elsässischen Weinberge und der Vogesen zelebriert der Küchenchef Schmitt in dieser Auberge mit den fürstlichen Zimmern eine Küche, wie man sie nicht jeden Tag erlebt.

Zwischen Tradition und Moderne lässt er Kreationen servieren, die eine Freude für den Gaumen sind – in dem geschichtsträchtigen Haus, in dem sich die Soldaten des Jahres II trafen. Der Hausherr klärt auf: „ Der Name stammt aus der Französischen Revolution. Der gregorianische Kalender wurde damals abgeschafft. Der neue Kalender, der 1791 in Kraft trat, wurde zum Jahre eins der Freiheit des Menschen erklärt. Im Jahre 1792, also im Jahre zwei, wollten royalistische Kräfte den König wieder inthronisieren. Viele aus Frankreichs Osten machten sich auf, dies zu verhindern. Sie siegten und wurden Helden. Unsere regionalen Schriftsteller, Erckmann und Chatrian, haben auch über die Helden des Jahres zwei geschrieben. Als ich das Haus 1977 eröffnete, habe ich aus Gründen der demokratischen Kultur diesen Namen ausgewählt.“ Die französischen Schriftsteller Émile Erckmann und Alexandre Chatrian stammen aus der Umgebung von Phalsbourg. Ihnen zu Ehren wurde eigens ein Museum gegründet. Die Autoren haben das Geschehen aus der Zeit der Französischen Revolution und der napoleonischen Kriege mit gelesener Genauigkeit in der Form von Augenzeugenromanen beschrieben.

Das Restaurant in der pittoresken Stadt Phalsbourg gehört zum Besten, was die Region zu bieten hat. George Victor Schmitt und sein Haus sind hervorragend für die Zukunft aufgestellt. Die Produkte bekommt der Hausherr aus dem schier unerschöpflichen Reservoir herausragender Viktualien dieses Landstrichs, natürlich immer frisch. Doch der Hausherr selber ist nie zufrieden, sucht immer nach Möglichkeiten, sich zu verbessern. In solchen Zeiten des Erfolgs sollte man aber eines nicht vergessen: seine Mitarbeiter. Diese sind schon seit vielen Jahren bei ihm und zeichnen sich durch eine ungeheure Kompetenz, Freundlichkeit und eine Menge Lebensfreude aus. Das ist für ein Restaurant ganz wichtig, denn zu traurigen Gastronomen geht niemand gern.

So gilt heute mein Lobgesang den sagenhaften Mitarbeitern dieses Hauses: stellvertretend für die gesamte Mitarbeiterschaft soll an dieser Stelle die Arbeit von Küchenchef Michel Didelon, dem Patissier Nicolas Noël und den beiden Chefs im Saal, Monsieur Bruno und Monsieur Loïc besonders erwähnt werden. Diese Herren sind zum Teil schon über 25 Jahren an der Seite von Schmitt.

Doch wie kam Schmitt zu diesem Restaurant? Er wollte schon als junger Mann ein Restaurant haben. Als er 15 Jahre alt war, sagte er seinem Vater, er wolle Koch werden. Der war von der Idee allerdings nicht sehr angetan. Schmitt musste sich um Pflanzen und Antiquitäten kümmern – 16 Jahre lang. In den letzten zwei Jahren dieser Zeit erwarb er das heutige Anwesen und baute es um. 1977 erfüllte er sich seinen Traum, eröffnete eine kleine, regionale Weinstube. Die Weinstube wurde zum Renner, Gäste mussten vorbestellen. Schmitt besuchte Fortbildungen bei Loux in der Clairière von Guémar und bei Jean-Claude Schneider in der Auberge Saint-Walfrid in Saargemünd. 1981 wagte er den Schritt zum Feinschmeckertempel. Schmitt richtete dafür das Restaurant in Saargemünd ein. Die Gäste der Weinstube gingen ihm dabei allerdings erst einmal verloren. In den ersten Monaten war es nicht einfach, das Restaurant am Leben zu halten. Doch er schaffte es, der „Soldat“ ging auf seinen Weg.

Heute ist Schmitt mit der lothringischen Kochlegende Daniel Nachon, der viele Jahre im 14. Stock eines Hochhauses in Thionville ein Sternerestaurant betrieb, und Frankreichs Kritikerpapst Gilles Pudlowski befreundet. Georges Victor Schmitt erinnert sich: „Gilles Pudlowski kehrte eines Tages nach einem Waldspaziergang hier ein. Ich kochte ihm etwas und so wurden wir miteinander bekannt. Heute wohnt er hier um die Ecke und sagt immer, ich sei sein ‚Bistrot du jour‘. Er hat seine Hochzeit hier gefeiert und wir sind richtige Freunde geworden. Mit Daniel Nachon bin ich schon seit Jahrzehnten befreundet, wir haben in Metz beispielsweise gemeinsam die ‚Nuit de la Gastronomie’ für 1.200 Gäste organisiert.“ Nur allzu gern ziehen die drei zusammen um die Häuser, testen andere Restaurants. Schmitt lebt gerne in Saarlorlux, er ist überzeugter Europäer. Er steht für diese Region, mit all ihren kleinen Unterschieden. Schmitt: „Wir sind hier nicht Franzosen, Luxemburger oder Deutsche. Mein Land heisst nicht Frankreich, mein Land heißt Europa.“

Au Soldat de l'An 2 3 Jahren.
Au Soldat de l'An 2 3 Jahren.
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