Dorfbrunnen

Verifiziert von Rolf Klöckner
Dorfbrunnen
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Dorfbrunnen
Dorfbrunnen
Dorfbrunnen
Kantstraße 17, 66459, Kirkel, Deutschland
17A Kantstraße Kirkel Saarland 66459 DE

Der „Dorfbrunnen“ in Kirkel-Altstadt ist ein Landgasthaus im klassischen Sinne. Im Dorf verankert, mit traditionellen Gerichten bester Qualität und mehreren Biersorten zur Auswahl. Gabi und Michael Petry leben hier seit 26 Jahren ihren Traum.

Im nachmittäglichen Sonnenlicht erreiche ich das Wirtshaus Restaurant „Dorfbrunnen“ in Kirkel-Altstadt. Einladend schaut es aus, mit kleiner Terrasse und freundlichen, großen Sonnenschirmen. Alles picobello. Die Anfahrt war nicht die einfachste, gebe ich zu. Am Ortskern vorbei, den Berg hoch, dann rechts in ein Wohngebiet. Von dort aus ist der Rest des Weges ausgeschildert.

Meine Gastgeber sind Gabi und Michael Petry. Am 24. Juni 1988 haben die beiden sich ihren Traum vom eigenen Wirtshaus erfüllt, nachdem die Bauarbeiten am elterlichen Haus abgeschlossen waren. Zuerst war es eine Gastwirtschaft, in der sich die Menschen nach Feierabend trafen. Damals schon mit kleiner Karte. Restaurant und Pilsstube wurde zum Motto. Natürlich gibt es hier auch eine vielfältige Weinkarte. Doch Bierkultur liegt dem Chef am Herzen, und als wir auf dieses Thema kommen, ist er nicht mehr zu bremsen: „Wir wollen unsere Gäste mit einem schön gezapften Bier beglücken und haben eine Vielzahl an Bieren. Leider noch nicht genug. In der Gastronomie sollte das Bier etwas mehr in den Vordergrund gestellt werden. Bei uns finden sie Bitburger, Karlsberg, wir haben immer ein Saisonbier dabei, das beziehen wir am liebsten von Thomas Bruch aus Saarbrücken.“ Petry weiter: „Mir fehlt in vielen Gasthäusern die Vielfalt. Nehmen wir etwa ein urbayrisches Vollbier. In Bayern haben viele Orte ihre eigene Brauerei. Die machen kein Pils, sie machen richtige Export- oder Vollbiere. So etwas wünsche ich mir noch mehr, auch bei uns!“ Eine Meinung, die ich durchaus teile. Alles, was mit Genuss zu tun hat, gewinnt doch nur durch Vielfalt!

Ende der siebziger Jahre hat Michael Petry eine Lehre als Koch begonnen. Damals war das Neunkirchner Hüttenkasino, in dem er ausgebildet wurde, eine feine Adresse. 1899 wurde dieses Hüttenkasino erbaut, 1995 leider abgerissen. Petry denkt an diese Zeit zwar nicht nur in heller Freude zurück. Seinen Lehrern vom Berufsbildungszentrum am Mügelsberg ist er aber heute noch dankbar: „Diese Zeit war schwierig. Das Eisenwerk stand vor dem Umbruch, die Stahlindustrie lag am Boden. Oft überlegte ich, ob ich die Lehre zu Ende mache oder mich anders orientiere. Meine alten Lehrer am Mügelsberg haben mich dann immer aufgefangen und wieder motiviert.“

Petry hielt durch. Nach seiner erfolgreichen Prüfung ging er zur Bundeswehr. Dort war er, nach etlichen Berufslehrgängen, dann der jüngste Leiter des Offizierskasinos. Nach sechs Jahren war dann Schluss, und er machte sich mit seiner Frau Gabi selbstständig.

Ihr heutiges Haus bietet Vielfalt, die Karte ist abwechslungsreich. Von Gulaschsuppe, über Flammkuchen bis zum Menü. Die unterschiedlichen Schnitzelgerichte haben Premiumqualität vom Hundsrücker Landschwein. Die Rindersteaks stammen alle vom argentinische Angus-Rind.

Natürlich hat so ein Landgasthaus verschiedene Räumlichkeiten: Konferenzzimmer, Nebenzimmer und Gastraum mit Terrasse. Bei größeren Essen wird dann das Nebenzimmer gebucht, das normale Geschäft läuft derweil im Gastraum weiter. Sympathisch rustikal…

Eine Besonderheit fiel mir dann auf der Karte noch auf. Zwei Gerichte, die einer Erklärung bedürfen. Einmal gibt es „Geiskätchens feines Kräutersteak“. Dies ist ein mariniertes Schweinesteak in Knoblauchsauce mit gebackenen Kartoffelspalten und Salatteller. Jedes Dorf hatte früher, als das Dorfleben noch intensiver war als heute, besondere Originale. So gab es hier und da eine Frau, die sich um Ziegen, Schafe und Geißen kümmerte. In Kirkel-Altstadt hieß diese Käthe. Familie Petry: „Wir wollen Besonderheiten unseres kleinen Ortes auf der Speisekarte verewigen. Als Andenken an unser Geiskätchen. Und dieses Gericht wird von vielen unserer Gäste besonders geliebt.“

Ebenso ein weiteres, sehr regionales Gericht. Michael Petry: „Die deftige „Schinnhiwwelplatt“! Ein historischer Hügel aus den napoleonischen Kriegen, hier bei uns in Altstadt. Dieser geografische Punkt ist der Namensgeber unseres Grilltellers mit Rind-, Schweine- und Putenfleisch, in würzigen Grillsaucen, Pommes Frites und Salatteller.“

Dann hängt da noch eine Schiefertafel an der Wand. Die Stammgäste betreten das Lokal und schauen zuerst, was darauf angeboten wird – wechselnde Gerichte, tagesfrisch. Manchmal sind das frischer Fisch, Nudeln mit Pfifferlingen oder sonst etwas Saisonales. Immer in kleinen Mengen, praktisch als Bonbon zur Karte. Monatlich gibt es dazu auch eine Spezialitätenwoche. Ob Spargelwoche, Fischwoche, Muschelwoche, mexikanische Woche oder Kartoffelwoche. Oft auch als Ergänzung zur bestehenden Karte, sodass man da ergänzend bestellen kann.

Zum Schluss ist es Michael Petry noch ein Anliegen, mir seine Einladungskarte zu seinem fünfzigsten Geburtstag zu zeigen. Darauf ist ein Text von Udo Lindenberg: „Ich mach mein Ding.“ Petry erzählt: „Schon immer dachte ich, ich gehe meinen eigenen Weg. Ich wollte nie einem Stern hinterherjagen. Ich wollte einfach mein Ding machen. Als ich dieses Lied von Udo Lindenberg hörte, dachte ich: genau so! So bin ich unser Projekt angegangen. So arbeite ich! Ich schau nicht nach rechts, schau nicht nach links, ich mach einfach mein Ding!“ Recht hat er.

Rolf Klöckner ist Ehrenmitglied des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Entscheidend für die Ernennung waren seine langjährigen und erfolgreichen Bemühungen, Kindern das Kochen als grundlegende Kulturtechnik zu vermitteln.

 

Dorfbrunnen 3 Jahren.
Dorfbrunnen 3 Jahren.
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Dorfbrunnen 3 Jahren.
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