Fruchteria

Verifiziert von Rolf Klöckner
Fruchteria
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Fruchteria
Fruchteria
Mainzer Straße 5, 66111, Saarbrücken, Deutschland
5 Mainzer Straße Saarbrücken Saarland 66111 DE

Portwein fürs Brot

Wer süße Brotaufstriche zum Frühstück mag, wird die „Fruchteria“ lieben. In der Saarbrücker Mainzer Straße finden sich neben klassischen Marmelade Kreationen wie Malzbier-Gelee, Bratapfel und Birne-Portwein, aber auch leckere Saucen zum Grillen.

Seit Monaten stolpere ich in der Mainzer Straße über interessante kulinarische Adressen. Und ich meine jetzt nicht nur die fünf Sterne auf wenigen Metern. Natürlich auch die, aber es gibt eine Menge mehr in dieser Straße, die sich in den vergangenen Jahren so schön herausgeputzt hat. Meine neuste Entdeckung befindet sich im Haus Nummer 5: die „Fruchteria“. Betreiber ist die Familie Dumont, die einige Häuser weiter mit großem Erfolg auch den „Kaiserhof“ betreibt. Und das eine hat mit dem anderen zu tun. 2007 übernahmen die Eheleute Dumont das „Hotel Kaiserhof“. Damals war dort nicht sehr viel los, das Haus schrie nach Veränderung. Sie mieteten ein Ladenlokal dazu, da ihr Frühstück von Anfang an eine treue Stammklientel fand und der Platz nicht reichte. Heute heißt der Raum „Floriansstube“.

Mittlerweile kann Andrea Dumont, die auch die „Fruchteria“ betreibt, stolz berichten, dass die 100 Sitzplätze zum Frühstück meist ausgebucht sind. Am Wochenende gibt es Reservierungszeiten, wie in einem Drei-Sterne-Laden: sechs bis acht Wochen. Das ist allerdings das Ergebnis harter Arbeit. Die Dumonts sehen sich als Familienbetrieb. Zwölf Angestellte haben sie, legen Wert auf gute Ausbildung und Fortbildung – und die Kooperation mit Nachbarn, wie etwa mit dem Restaurant „Le Bouchon“ am Staden.

Das scheint auch das Erfolgsrezept zu sein. Die Betreiberin: „Wir schließen unseren Betrieb immer zwischen Weihnachten und Neujahr, um uns auf einer Reise fortzubilden. In dieser Zeit fahren wir mit der gesamten Mannschaft irgendwo hin. Entweder auf eine Städtetour oder in die Rhön. Wir schauen uns ein Hotel oder eine Gastronomie an. Wenn wir nach Köln fahren, schauen wir uns beispielsweise das Café ,Törtchen, Törtchen‘ an und machen einen Patisseriekurs.“

Die Saarbrücker erinnern sich sicher noch: Zwischen dem „Kaiserhof“ und dem ehemaligen „Bauhaus“ standen früher Container, und viel Müll lag auf der Straße. Doch wer Andrea Dumont kennt, weiß, dass sie das nicht abschrecken konnte. Mit bürgerlichem Engagement wollte sie aus dieser Müllhalde etwas machen. Sie erinnert sich: „Zusammen mit Ordnungsamt, Stadtverwaltung und Oberbürgermeisterin Charlotte Britz gingen wir die Dinge an. Die ganze Ecke wurde umstrukturiert, wir haben verschönert, Stromkästen wurden versetzt, Container verschwanden.“ Heute gehen viele Menschen in die Mainzer Straße, weil die Angebote hier stimmen und die in die Jahre gekommene Straße ihr richtiges „Make-up“ gefunden hat.

Und jetzt die „Fruchteria“. Warum, weshalb, wieso? Die engagierte Unternehmerin erzählt: „Seit Februar 2014 gibt es die ,Fruchteria‘. Wir suchten eigentlich eine Produktionsstätte für unsere selbst hergestellten Marmeladen im ,Hotel Kaiserhof‘, weil wir dort immer größere Mengen brauchten. Da kamen wir auf die Idee, hier einen kleinen Laden zu eröffnen. Vieles geht auch über Online-Bestellungen, sodass wir mit den ersten Wochen sehr zufrieden sind.“ Dazu muss man wissen, dass im „Kaiserhof“ zum Frühstück täglich zwölf hausgemachte Marmeladen gereicht werden. Viele Gäste wollen diese Marmeladen für zu Hause kaufen. Deshalb braucht es eine eigene Produktionsstätte. Doch die kreative Geschäftsfrau sprüht vor weiteren Ideen. Gegenüber der „Fruchteria“ gibt es ein kleines Café, die „Bakerstreet“, im englischen Stil. Nur für dieses Haus fing Andrea Dumont an, eigene Kreationen zu entwickeln, die es nur dort gibt. Mit Guinness-Bier, Pfefferminze, Whisky und vielem mehr. Alles in hochwertiger Qualität. Mit anderen Betreibern – nicht nur in der Mainzer Straße – gibt es ebenfalls solche Kooperationen.

Denn das Besondere an all diesen Läden ist, dass die meisten Geschäfte hier von engagierten Menschen betrieben werden, die mit viel Enthusiasmus an ihr Tagewerk gehen. Das hat dann nichts mit dem Anonymen einer großen Geschäftskette zu tun. Die Grundprodukte für ihre

Marmeladen bekommt Andrea Dumont vom Großmarkt und von Bekannten, die große Obstgärten haben. Andrea Dumont: „In unser Hotel kommen auch viele Nachbarn frühstücken. Einige leben alleine, sind auch schon etwas älter und besitzen große Gärten. Sie können ihr Obst selbst gar nicht konsumieren. Manche boten mir Kirschen, Mirabellen, Erdbeeren oder Pflaumen an, um daraus Marmelade zu machen. Zuerst habe ich diese klassischen Marmeladen daraus gekocht.“ Mittlerweile macht sie neben den Klassikern auch sehr eigenwillige Produktionen. So gibt es hier Malzbier-Gelee, Bratapfel, Cidre, Quitten, Rosmarin, Birne-Portwein, Tomate mit Vanille, Kiwi mit Wodka oder auch Exotenfrucht mit Ingwer zu kaufen. Letztere ist nicht nur ein klassischer Brotaufstrich, sondern auch sehr gut einsetzbar als Käsebegleiter. Vor allem für Schafs- oder Ziegenkäse. Dazu hat sich während der Produktion in der „Fruchteria“ noch manch anderes entwickelt. Chutneys und unterschiedliche Sirupe etwa. Caramel, Haselnuss, Rhabarber, Lavendel und vieles mehr. Die Sirupe werden auch gerne von Gastronomen genommen, die diese in ihren Cafés und Restaurants zum Tee reichen oder etwa Löwenzahnsirup mit Mineralwasser oder Ingwersirup mit Crémant anbieten.

Für die Grillsaison hat Andrea Dumont eigene Saucen kreiert. Handgemachte Grillsaucen, Knoblauch-Ingwer etwa, Paprikamarinade, Ananas, Pflaumen, Mango, Apfel, Tomatenketchups – alles mit erlesenen Zutaten. Wenn jetzt im Saarland wieder Rauch aus den Gärten aufsteigt, weiß ein jeder: Die Saarländer schwenken. Und viele tun das nicht mehr mit Grillwürsten und Produkten aus dem Supermarkt oder Discounter. Nein, sie grillen ganze Menüs auf ihrem Schwenker oder Profigrill. Vom Fisch bis zum Dessert. Und dazu kann man vieles aus der „Fruchteria“ hervorragend gebrauchen.

Und noch etwas: Bei meinem Besuch in der „Fruchteria“ lernte ich die saarländische Antwort auf Ramazzotti kennen. „Saarländer“ heißt er. Andrea Dumont: „Den ,Saarländer‘ produzieren wir nicht selbst. Er stammt aus Tholey, von der Firma Eckerts. Wir trinken ihn selber gerne. einer unserer Favoriten. Ähnlich, wie Ramazzotti, nur etwas süßer.“

Fruchteria 3 Jahren.
Fruchteria 3 Jahren.
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