Ivica

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Altneugasse 29, 66117, Saarbrücken, Deutschland
29 Altneugasse Saarbrücken Saarland 66117 DE
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Kroatische Lebensart im Herzen der Stadt

Im Restaurant „Ivica“ in der Saarbrücker Altneugasse herrscht Gasthauskultur pur. Es ist gleichsam Kneipe wie Brasserie und lockt mit traditioneller und auch ungewöhnlicher Küche, die bei den Gästen ankommt – vom Sauerbraten auf kroatische Art bis hin zu Maultaschen.

Saarbrückens Wohnzimmer ist sicherlich der St. Johanner Markt, mit zahlreichen Attraktionen. Das Herz Saarbrückens schlägt aber auf der anderen Saarseite, links der Saar. Das Viertel um das Schloss, um Friedenskirche, Nantaiser Platz und Schlosskirche hat Charme, Ruhe, Macht und Kultur wie kein anderes Viertel in unserer Saarmetropole. Hier sitzen die Nachbarn abends zusammen vor der Tür in den Gassen und trinken einen Dämmerschoppen. Oder im Garten, auf der Terrasse oder im Hinterhof der eigenwilligen Gasthäuser.

Mare und Ivica Skopljanac betreiben gemeinsam ihr Restaurant „Ivica“ in der Saarbrücker Altneugasse.

Mare und Ivica Skopljanac betreiben gemeinsam ihr Restaurant „Ivica“ in der Saarbrücker Altneugasse.

Das gute alte Gasthaus ist im Saarland weit verbreitet. Hier trifft sich oft eine feste Gemeinschaft von Stammgästen, um ihre Freizeit zu teilen. Manchmal habe ich Angst, es gäbe diese Orte der Geselligkeit mit bürgerlichem Essen nicht mehr. Früher saßen meine Vorfahren und Nachbarn oft auf der Neuen Bellevue, dem Hau, der Glocke in St. Johann oder dem Holzkopp am Bahnhof. Alle verschwunden oder heute mit anderer Charakteristik. Hier wurde ein deftiges Mittagessen eingenommen und ein großes Bier oder ein Schoppen Wein bestellt.

Doch das gute alte Gasthaus gibt es noch. Etwa das „Ivica“ in der Altneugasse. Die Betreiber sind Mare und Ivica Skopljanac, ihre Küche fokussiert sich auf kroatische, eher mediterrane und saarländische Spezialitäten. Seit 2005 verwöhnen sie ihre Gäste mit ihren Spezialitäten. Beide haben große Erfahrungen im Gastronomiebetrieb. „Kartoffel“, „Café am Schloss“, „Ratskeller“ oder etwa „Schlachthof Brasserie“ waren einige Stationen.

Alles lange her. Irgendwann wollten sie sich selbstständig machen. Der Laden passte, und so starteten sie durch. Ivica hat eine große Bandbreite an Kochwissen, hat für viele seiner traditionellen Gerichte ein eigenes Rezept entwickelt. Im Sommer kommen die Leute vor allem wegen seiner mediterranen Gerichte. Im Winter kommen sie eher wegen „Dibbelabbes“ und „Gefilde“.

Hier herrscht Gasthauskultur pur. Die Gäste sehen in „Ivica“ Wirtschaft, Kneipe, Bistro und Brasserie. Hier schauen sie Fußball im abgetrennten Raum, feiern ihre Familienfeste und kommen aber auch auf ein Bier vorbei. Jeder kann sich hier wohlfühlen. Im hinteren Raum in aller Ruhe zum Essen oder mitten im Geschehen, rund um die Theke. „Unsere Idee und unser Konzept sind, dass wir für alle da sein wollen. Etwas lockerer als in einem Restaurant. Die Leute sollen ihren Spaß hier haben, wir haben zu den meisten nach acht Jahren fast eine familiäre Beziehung“, klärt Ivica Skopljanac mich auf. Und ergänzt: „Ich bin nicht nur Geschäftsmann, ich bin Wirt. Eine ältere Frau kommt öfters vorbei, sie bekommt eine kleinere, günstigere Portion. Leben und leben lassen. Wir liefern nicht aus, aber jeder kann sein Essen mit nach Hause nehmen. Unser Stammpublikum nutzt das gerne.“ Das Ehepaar ist auch Sozialarbeiter und Lebensberater für den einen oder andern. Immer ein gutes Wort, wenn nötig, ansonsten: Hier pulsiert das Leben.

Kroatische Küche ist nicht nur Fleisch auf dem Grill. Es wird auch viel geschmort, es gibt oft Fisch. Und kroatische Küche bedeutet auch eine ziemlich gemüseorientierte Kochkunst. Und diese Küche schmeckt sehr genussvoll. Ivica legt großen Wert auf frische Ware, benutzt viele frische Kräuter und gutes Olivenöl. Das macht den Geschmack. Seine Calamares sind keine Gummiringe wie in den Touristenrestaurants, sondern eine Spezialität.

Kroatien ist ein Feinschmeckerland. Mit uralter Weinkultur. In Kroatien verbindet sich die Küche mit mediterranen Einschlägen, liegt das Land doch sowohl am Mittelmeer als auch auf der Balkan-Halbinsel. Die traditionelle Küche Kroatiens ist einfach und bodenständig, mit frischen Zutaten zubereitet und sehr schmackhaft. So mag ich es. Historisch bedingt finden Sie in Kroatien aber auch vielfältige Einflüsse aus den Küchen anderer Länder: italienische Pasta, österreichischer Strudel, türkischer Kaffee, griechische Musaka. Kulinarische Langeweile gibt es anderswo.

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Restaurant Ivica

Dort gibt es auch viele Restaurants mit Auszeichnungen und einem hohen Renommee. Hier kann man kochen und einen guten Wein keltern. Das milde Klima bringt hochwertige Oliven hervor, aus denen ausgezeichnete Olivenöle hergestellt werden. Cevapcici, kleine Hackfleischröllchen, werden besonders oft in Kroatien und Bosnien zubereitet, um dann mit Sauerrahm oder Ajvar angeboten zu werden. Die kroatische Küche ist stark regional geprägt. An der Küste ist das Essen typisch mediterran, leicht und schonend zubereitet. Es kommen viele Fischgerichte und Meeresfrüchte auf den Tisch.

Beliebte Vorspeisen sind Prsut, ein luftgetrockneter Schinken, sowie Paski sir, Schafskäse von der Insel Pag, oder Osoljena, eingesalzener Fisch. Istarska Supa ist eine traditionelle Spezialität aus Istrien, Rotweinsuppe mit Olivenöl und gerösteten Brotstücken. Istrien ist zudem für seine weißen Trüffel bekannt, sowie die im Limski-Kanal gezüchteten Austern. Die Einheimischen lieben ihre Fischsuppe Brodetto, eine Art Eintopf mit verschiedenen Fischarten, Olivenöl, Zwiebeln und Tomaten. Besondere Fleischspezialitäten sind Pasticada, mariniertes Rindfleisch mit Zwiebeln und Knoblauch in Weißwein oder Rotwein gekocht sowie Peka, unter einer Tonglocke gedünstetes Lammfleisch.

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Restaurant Ivica

Die kroatische Küste und ihre Inseln zählen zu den ältesten Weinanbaugebieten der Welt. Insgesamt werden hier etwa 600 verschiedene Weine hergestellt, allesamt mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Nach dem Essen wird gern ein Verdauungsschnaps getrunken. In Istrien heißt er, wie in Italien, Grappa, ansonsten Losovaca. Weitere beliebte Spirituosen sind Sliwowitz, ein Pflaumenschnaps, sowie der Kräuterschnaps Travarica.

Das Erfolgsgeheimnis bei „Ivica“ ist die Unterschiedlichkeit und das Wissen um guten Geschmack. Mittags gibt‘s ein Stammgericht mit Fleisch und eine vegetarische Variante. Dazu Tage, an denen besondere Spezialitäten serviert werden. So kann es vorkommen, dass Sie zwischen „Sauerbraten auf kroatische Art“ oder „badischen Maultaschen“ wählen können. Die Burgerkultur hat auch hier Einzug gehalten, Hackfleischröllchen im Brötchen schmecken mir sehr gut, sowie viele unterschiedliche Fischgerichte.

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Restaurant Ivica

Für ein Gasthaus an der Ecke haben sie auch eine sehr vernünftige Weinkarte. Ihre Kreszenzen beziehen sie überwiegend beim renommierten Weingeschäft „VIF“ in Völklingen oder direkt beim Winzer, wie etwa bei Petgen-Dahm in Perl-Sehndorf. Begeistert haben mich auch immer wieder kroatische Weine, die ich nicht besonders gut kannte. Doch probieren heißt in diesem Fall studieren.

Am Abend zieht ein genussvoller Duft zum Schloss hoch. Ivica hat den Grill an und macht Doraden. Ich sitze an dem kleinen Platz in der Gasse mit dem Luisenbrunnen in der Abendsonne. Ich sehe, wie die Nachbarn, die ich vom Saarländischen Rundfunk kenne, schnurstracks Platz nehmen und bestellen. Na ja, Hunger hätte ich auch.

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