Kochkunst zum Mieten

Verifiziert von Rolf Klöckner
Maxwell Omini
Saarbrücken, Deutschland
40 Ursulinenstraße Saarbrücken Saarland 66111 DE

Köche gibt es viele. Qualität und über- zeugender Geschmack allein reichen da oft nicht aus, um Karriere zu machen. Eine gute Idee braucht es auch. Maxwell Omini bringt sein Können zum Kunden nach Hause, denn den Koch aus Afrika kann man ausleihen.

Maxwell Omini stammt aus Nigeria. Im Mai 2005 kam er nach Deutschland. Schon in seiner Heimat arbeitete er in einem Hotel in Lagos, als Beikoch. Ohne Ausbildung, aber mit viel Talent. Der Beruf des Koches interessierte ihn sehr. Also entschloss er sich, die harte Ausbildung durchzustehen. Im Mai 2011 machte er die beste Prüfung im Saarland. Er bekam 86 Punkte, eine glatte Eins. Nun hat der junge Mann sich mit einer eigenwilligen Idee selbstständig gemacht: „Rent a Cook – mieten Sie sich Ihren Koch“.

Geboren wurde Maxwell Omini in Ijiman im Osten an der Grenze zu Kamerun. „Als Kind beobachtete ich gerne meine Großmutter beim Kochen“, erinnert er sich. „Sie machte ein Feuer mit Holz und hat mit selbstgemachten Tontöpfen aus Reis, Gemüse und meistens Fisch wahre Spezialitäten auf den Tisch gezaubert.

Omini stammt aus Nigeria

Fleisch gab es selten, an Festtagen bereitete sie ein Hühnchen oder Spezialitäten von der Ziege zu. Das waren die schönsten Momente meiner Kindheit, es war für uns wie Geburtstag und Weihnachten an einem Tag. Als ich sechs Jahre alt war, zogen wir in die Großstadt, nach Lagos. Mein Vater war Polizist und hatte dort seinen Arbeitsplatz.“ Doch das Leben in Afrika ist hart. Obwohl Nigeria ein reiches Land ist, bleibt für den einfachen Bürger nichts über. Ein korruptes Regime und ausländische Großinvestoren machen sich die Taschen voll. So beschloss Maxwell, sein Glück in Europa zu suchen.
Über seine Schwester Saviour lernte ich Maxwell kennen. Er war sehr interessiert am Kochen. Oft standen wir zusammen in der Küche und bereiteten unser gemeinsames Essen zu. Ich merkte, wie wissbegierig er war und schlug ihm vor, eine Ausbildung anzutreten. Omini: „Ich bewarb mich bei Wolfgang Quack in der Villa Weissmüller. Er lud mich zum Vorkochen ein. Ich war sehr nervös, es war aufregend, mich bei so einem großen Koch vorstellen zu dürfen. Er war 1988 immerhin Juniorenweltmeister der Köche. Er sagte zu mir: ‚Putz mal Spinat, schäl‘ mal Kartoffeln.‘ Dann zeigte er mir ein paar Kräuter und fragte, wie die heißen. Thymian, Rosmarin und Oregano kannte ich. Doch Salbei war mir neu. Er zeigte mir auch noch, wie ich Kräuterbutter selber herstellen kann. Dann bat er mich, aus diesen Zutaten etwas zu machen. Am Ende des Tages war er zufrieden mit mir. Ich machte ein vierzehntägiges Praktikum und bekam dann einen Lehrvertrag. Von mehreren Bewerbern war ich der einzige, den er genommen hat.“

Jetzt durfte Maxwell Omini den harten Küchenalltag kennenlernen. Er freute sich, doch so hart hatte er sich die Schufterei nicht vorgestellt. Schon morgens früh ging es los, oft kam er spät nachts nach Hause. Er fing auf dem Posten für Desserts, der Patisserie an. Nach ein paar Monaten hatte er das Vertrauen seines Chefs gewonnen. Maxwell kreierte am Tag oft 120 Dessertteller, darauf präsentierte er bayerische Creme, Parfaits aus Schokolade und Obst, Soufflé, Sorbets, Eis oder heißen Schokoladenkuchen. Alles selber hergestellt. Danach bekam er den Posten für Fisch, später bereitete er Vorspeisen, Suppen und Beilagen zu. Am Ende hatte er alle Posten in der Küche durchlaufen. „Wolfgang Quack war der beste Chef, den man haben kann. Er brachte mir jeden Tag neue Sachen bei. Ich machte selber Nudeln, Gnocchi, Semmelknödel und viele andere Sachen mehr: wie ich Fleisch pariere, aus Karkassen einen Fond ziehe, um daraus eine himmlische Sauce zu machen. Eine Küche ist ein ausgezeichneter Ort des Lernens. Ich lernte, was Organisation bedeutet, Selbstständigkeit und Vorratshaltung. Heute weiß ich, wie aufwändig in einem großen Haus gearbeitet wird.“ Diese Zeit – Lehrjahre sind keine Herrenjahre – prägte ihn. Er legte sich ein Fahrrad zu, weil er oft erst spät Feierabend hatte. Damit fuhr er täglich viermal von zu Hause in das Restaurant. Eines Nachts hatte er einen Unfall, knallte gegen ein Straßenschild bei einem Ausweichmanöver – Blaulicht, Krankenhaus, linke Hand und linkes Knie in Gips. Nach seiner Rückkehr taten ihm Hand und Knie noch immer weh. Doch er biss auf die Zähne, er hatte ja ein Ziel. Er kämpfte sich wieder ran, wollte unbedingt diesen Beruf mit einer guten Ausbildung abschließen. Dies gelang ihm dann auch im Mai 2011. Seit November 2011 hat er sich nun selbstständig gemacht. Seine Idee: „Wenn man keine Lust hat, einen schönen Abend mit Freunden in einem Restaurant zu verbringen, ruft man mich an – und ich koche für die Gäste zu Hause.

Ob Geburtstag, Geschäftsessen oder eine Feier, im Betrieb oder im familiären Kreis, ich komme und gestalte das Essen. Auch ein Restaurant, das zur Verstärkung einer besonderen Veranstaltung noch einen Koch sucht, kann mich gerne mieten.“ Die ersten Erfahrungen machten Mut. Ein Familienfest in Wadgassen für 30 Personen, ein 50. Geburtstag in Saarlouis für 80 Leute oder ein 40. Geburtstag für 55 Gäste in Neunkirchen. Das Resultat: Die Gastgeber empfahlen Omini weiter, weitere Aufträge sind in Arbeit. Einen weiteren Arbeitsschwerpunkt sieht Maxwell Omini im Kochen mit Kindern. Es ist sehr wichtig, dass Kinder von Anfang an den verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln lernen. Wenn sie erfahren, dass Kochen keine Zauberei ist, macht es den meisten Kindern sehr schnell großen Spaß. Omini erinnert sich: „Ich habe mit Rolf Klöckner auch schon im Fernsehen gekocht. Wir machten mit Kindern Krabbencocktail, Schnitzel mit Kartoffelauflauf und bunten Gemüsen, als Dessert Früchteteller mit selbstgemachtem Eis. Mein nächster Auftrag ist die Gestaltung eines Kindergeburtstages. Die Kinder wollen für ihre Eltern kochen. Ich kaufe ein und treffe mich schon morgens in der Küche mit den Kindern. Jeder kleine Koch bekommt eine Kochmütze, Schürze und übernimmt für das Geburtstagsmenü mehrere Aufgaben. Wir machen selber Ravioli, eine winterliche Cremesuppe, einen großen Eisbergsalat mit Pute, Parmesan und Thunfischsauce. Als Dessert machen wir eine Komposition mit drei unterschiedlichen Desserts: Mousse au chocolat, Himbeermousse mit weißer Schokolade und Mangomousse.“

So lernen die kleinen spielerisch, gesundes, weil nahrhaftes und geschmackvolles Essen zuzubereiten. Die Eltern sind begeistert und entlastet. Und beim Essen freuen sich die Kinder und die Erwachsenen gleichermaßen über den Rollentausch in der Küche.

Maxwell Omini 3 Jahren.
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