La Bonne Auberge

Verifiziert von Rolf Klöckner
La Bonne Auberge
La Bonne Auberge
La Bonne Auberge
La Bonne Auberge
La Bonne Auberge
15 Rue nationale, 57350 Stiring-Wendel, Frankreich
13-17 Rue nationale Stiring-Wendel Lorraine 57350 FR
+33 3 87 87 52 78+33 3 87 87 52 78

Magischer Ort des Genusses

Die Schwestern Lydia und Isabelle Egloff aus dem französischen Stiring-Wendel gehören mit ihrer „La Bonne Auberge“ seit weit mehr als 30 Jahren zum Besten, was die Region kulinarisch zu bieten hat. Hier findet der Gast Genuss für alle Sinne.

Ja, es gibt sie, diese magischen Orte des Genusses. Vor 34 Jahren schlossen diese beiden außergewöhnlichen Schwestern am zweiten Sonntag im Oktober ihr Haus auf, und seit dieser Zeit kehren viele Menschen, die das Gute und Außergewöhnliche lieben, immer wieder hierher zurück. Lydia und Isabelle Egloff sind die Stars, nicht nur im saarländisch-lothringischen Grenzgebiet, sie sind auch in ganz Frankreich Stars.

Wenn Klaus Erfort von seinen Gästen, die oft von sehr weit herkommen, gefragt wird, wo sie an ihrem Genusswochenende in Saarbrücken noch essen gehen können, empfiehlt der Drei-Sterne-Koch oft „La Bonne Auberge“. Das „Hotel am Triller“ bietet ein Wochenend-Genuss-Arrangement in Saarbrücken an, mit einem Abendessen in der „La Bonne Auberge“. Irgendwie haben die saarländischen Gourmets die „La Bonne Auberge“ in Stiring-Wendel eingemeindet.

Die Rue Nationale von Saarbrücken in Richtung Metz gehört nicht zu den schönsten Straßen in der Region, diese Gegend ist halt vom Bergbau geprägt. Dafür befindet sich aber in dieser Straße eines der besten Restaurants der Region, Frankreichs, vielleicht der ganzen Welt. Schon seit vielen Jahren besuche ich dieses außergewöhnliche Restaurant der Schwestern Egloff.

Vorbei am Saarbrücker Hauptfriedhof, über die ehemalige Grenze und dann immer geradeaus auf der bereits erwähnten, eher tristen Straße. Kurz vor der Ortsgrenze zwischen Stiring-Wendel und Forbach auf der rechten Seite steht dann die „La Bonne Auberge“, und ab hier zeigt sich dann Stiring-Wendel von seiner schönsten Seite. Die Schwestern haben es in den vergangenen drei Jahrzehnten geschafft, hier einen Genusstempel zu erschaffen.

Sie stammen aus Rémering. Viele Saarländer fahren dorthin an den Weiher. Lydia erinnert sich gerne an die Küche ihrer Großmutter: „Sie kochte bei uns zu Hause. Wenn es dann ein Dorffest oder eine Kommunion gab, war meine Großmutter Marie sehr gefragt, wenn sie etwa eine Pastete oder eine Rindfleischsuppe mit selber gemachten Markklößchen zubereitete. Ich war immer mit ihr in der Küche. Da war ich etwa zehn. Ich habe da auch immer bei meinem Vater Weine gekostet.“

Schon früh hatte sie den Wunsch, Weinkellnerin zu werden. „In Straßburg machte ich dann später die Hotelfachschule. In großen Häusern Frankreichs, etwa bei Michel Bras in Vézelay, war ich zum Praktikum. In der „Charrue d‘Or“ in Saargemünd lernte ich dann Weinkellnerin und Maître d´hôtel. Damals war dieses Haus in Saargemünd auch bei deutschen Gästen sehr beliebt. Es kamen Hans-Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal, auch Manfred Sexauer und Dieter Thomas Heck. Das war so 1976.“ Zwei Jahre später machte sie dann mit Freunden die Tour de France der Drei-Sterne-Restaurants. „Etwa im Jahr 1979 reifte dann der Gedanke, dass wir uns selbstständig machen. Ich ging für mehrere Wochen ins Negresco zu Jacques Maximin nach Nizza.“

Dann ging es bald in Stiring-Wendel los. Lydia hatte von Anfang an ihren eigenen Stil geprägt. Anfangs der 80erJahre spielte sie in ihren Gerichten mit provenzalischen und lothringischen Elementen. Und wie! Ihre Gerichte waren in verschiedenen Zeitgeist-Zonen oft avantgardistisch, doch auch heute noch sind sie Mode.
Auf der Speisekarte steht ihr Motto: Meine Küche, ein Lebensstil, eine Geisteshaltung. Etwa ihr Mirabellengratin – ein Klassiker.

Hier wurden schon immer alle Sinne angesprochen und verwöhnt. Meine große Freude ist – neben der farbenfrohen Dekoration – der Olivenbaum im Wintergarten. Und dieser, mitten im Restaurant hinter Vitrinen, wuchs genauso kontinuierlich, wie der Ruhm des Hauses. In Sachen Speiseplanung gehört dieses Haus für mich zu den Unkompliziertesten. Ich esse ganz einfach das große Menü und lasse mir von Isabelle Egloff die passenden Weine empfehlen. Eine andere Vorgehensweise ist in meinen Augen unsinnig, denn in diesem Restaurant möchte ich das Maximum an Kochkunst von Lydia Egloff erleben, und das geht nun mal am besten mit dem großen Menü. Im Sommer auch gerne auf der Terrasse. In solch einem Haus wird alles selber gemacht, überhaupt steckt viel Arbeit dahinter. Sehr viel! Isabelle Egloff: „Mein Schwager Alain und ein Koch stehen heute im Keller. Alain reinigt heute unser Silber, das dauert den ganzen Tag. Audric kümmert sich heute um den Fisch, der heute Morgen gekommen ist. Da gibt es Fische, da musst du mit der Pinzette alle kleinen Gräten ziehen.“

Lydia erzählt mir von ihrem Lieblingsbuch: „Vor einiger Zeit fand ich ein Buch der 60er-Jahre. Es stammt aus Stiring-Wendel. Von Stiringer Bürgern, die irgendwann mal hierher kamen. Darin fand ich Rezepte von Menschen, hier aus unserm Ort, die aber ursprünglich aus Polen, Nordafrika oder Italien stammen. Es ist zu meinem Lieblingsbuch geworden. Ich finde diese Kultur ist meine. Sowas liebe ich. Citoyen du Monde – Weltbürger!“

Und ihrer Schwester, der Sommelière Isabelle Egloff, macht ohnehin niemand etwas vor. Sie weiß genau, welcher Wein zu welchem Gericht passt und kennt die dazugehörigen Besonderheiten, die den Wein zum Gericht ihrer Schwester zum vollendeten Genusserlebnis werden lassen. Ihre Karte ist sehr umfangreich, vor allem auf die französischen Weinregionen bezogen. Aber wir haben bei unserm letzten Besuch auch abgemacht, dass wir mal eine Weinexpedition an die Saar machen und ich ihr die unschlagbaren Saar-Rieslinge vorstelle.

Mittags gibt es ein Geschäftsmenü von Dienstag bis Freitag – vielleicht das richtige Menü für Menschen, die die Verführerinnen des guten Geschmacks noch kennen lernen wollen. Wir, die wir das Haus schon seit mehr als 30 Jahren schätzen, bestellen natürlich das „Menu Séduction“. Denn niemand verführt besser die Sinne als Frauen aus Stiring-Wendel. In der Musik tut das Patricia Kaas, ihre ehemalige Nachbarin, zu Tisch Isabelle und Lydia Egloff. Wenn ich dann die große Kunst erleben durfte, bin ich auf dem Heimweg so euphorisiert, dass ich die Rue Natio­nale von Stiring-Wendel für die schönste Straße der Welt halte.

La Bonne Auberge 3 Jahren.
La Bonne Auberge 3 Jahren.
La Bonne Auberge 3 Jahren.
La Bonne Auberge 3 Jahren.
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