Léa Linster

Verifiziert von Rolf Klöckner
Léa Linster
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Léa Linster
Léa Linster
17 Rue de Luxembourg, 5752 Frisange, Luxemburg
Rue de Luxembourg Frisange Luxembourg 5752 LU

Spitzenköchin mit Herz

Sie ist eine der bedeutendsten Vertreterinnen ihrer Zunft. In den Medien ist sie omnipräsent. Viele lasen schon ihre Bücher oder haben bei ihr einen Kochkurs besucht: Léa Linster, Luxemburgs kulinarische Botschafterin.

Als erste Frau gewann Léa Linster 1989 den Bocuse d’Or, einen ganz besonderen Preis, beim Nachwuchskochwettbewerb für junge Spitzenköche in Lyon. Seither hat sie jede Menge weitere Auszeichnungen und Preise bekommen. Doch als sie vor wenigen Wochen das Hochzeitsessen für den luxemburgischen Thronfolger kochen durfte, empfand sie das als höchste Auszeichnung in ihrem langen Berufsleben.

Ich hörte damals davon und rief sie an. Léa Linster war ausgewählt worden, für Erbgroßherzog Guillaume von Luxemburg und Stéphanie de Lannoy das Hochzeitsessen zuzubereiten. 500 Gäste aus ganz Europa waren eingeladen, die kulinarische Visitenkarte des Großherzogtums gab die Spitzenköchin aus Frisange ab. Das Brautpaar heiratete am 20. Oktober, Léa Linster schloss ihr eigenes Restaurant eine Woche vorher ab, um das Galadiner vorzubereiten.

Am Telefon fragte ich sie: „Was werden Sie dieser prominenten Gesellschaft denn kochen?“ Lachend antwortete sie: „Es gibt noch zwei Geheimnisse bei dieser Feier: das Kleid der Braut und das Galamenü.“ Sie wirkte auf mich sehr emotional, dass sie diese Anfrage vom großherzoglichen Hof bekam. Es sprudelte aus ihr raus: „Wissen Sie, es ist eine besondere Ehre, dass mir der großherzogliche Hof diesen Auftrag erteilt hat. Eine Hochzeit eines Erbgroßherzogs findet nur alle 35 Jahre statt. Es ist wunderschön, dass ich dies in meinem Berufsleben erleben darf. Ich bin eine luxemburgische Köchin und koche französisch-luxemburgische Küche. Ich habe schon viele Auszeichnungen erhalten, aber die Anerkennung vom luxemburgischen Hofe ist für mich die größte Auszeichnung.“

Wir kennen uns schon 15 Jahre. Sie ist nicht nur eine Spitzenköchin, sie ist die kulinarische Botschafterin Luxemburgs. Als sie das Jubiläum für 20 Jahre Restaurant „Léa Linster“ in ihrem Restaurant feierte, waren selbstverständlich hohe Repräsentanten des politischen Lebens aus Belgien, Frankreich und Luxemburg anwesend.

Léa Linster besitzt neben ihrem Sternerestaurant „Léa Linster“ in Frisange noch ein wunderbares Bistro, den „Pavillon Madeleine“ im 15 Minuten von Frisange entfernten Kayl. Seit November 2011 verkauft sie Delikatessen im „Caffe Madeleine“, im Herzen der luxemburgischen Hauptstadt. Dieses Geschäft befindet sich gegenüber des herzoglichen Palais. Hier bietet sie auch ofenfrische Madeleines, Delikatessen, Süßes aus ihrer Patisserie, Kaffee- und Teespezialitäten, Weine, Crémants, Kochbücher, Geschenkideen und vieles mehr ihren Kunden an.

Dazu ist sie vor ein paar Jahren ins Weingeschäft eingestiegen. Zusammen mit dem Winzer Max von Kunow vom Weingut von Hövel in Oberemmel bei Trier hat sie einen Wein kreiert. Dieser Wein, ein feinherber Riesling der Lage Oberemmel, wurde speziell als Essensbegleiter ausgebaut. Feinherbe Weine weisen einen Restzuckergehalt zwischen neun und 18 Gramm pro Liter auf. Der Geschmack ist dadurch keinesfalls süß, aber auch nicht zu trocken. Die natürliche Rieslingsäure wird durch den mäßigen Zuckergehalt gemildert, und der Wein bildet ein harmonisches Geschmacksbild. Genau richtig für eine Vielzahl von Gerichten, die in Léa Linsters Sterne-Restaurant in Frisange angeboten werden. Dieser Wein heißt LEMAAX, eine Wortneuschöpfung aus den beiden Vornamen Léa und Max, und ist nur in limitierter Auflage erschienen unter der neuen Marke Crossmosel. Die beiden schufen diesen Namen, weil sie sich sehr mögen, wie ich immer wieder aus zuverlässigen Quellen höre.

Der Begriff Crossmosel soll dabei die Überwindung der Grenze von Luxemburg und Deutschland darstellen. Linster und von Hövel wohnen beide nahe der deutsch-luxemburgischen Grenze. Die Mosel vereint beide Länder und steht dabei symbolisch für den Weinbau. Unter der Marke „Crossmosel“ entsteht eine Serie von Weinen, nebst Crémant, die passend zu gewissen Anlässen und Gerichten ausgebaut werden. Der Wein ist hauptsächlich für Restaurants bestimmt, eine geringe Anzahl an Flaschen geht auch in den freien Handel.

Wir sitzen an einem sonnigen Morgen in ihrem Restaurant in Frisange. Lange hatten wir uns nicht gesehen. Also ich sie schon. Im Fernsehen. Denn die rührige Luxemburgerin ist in den Medien omnipräsent. Plötzlich legt sie los, und ich bin sehr überrascht, als sie Folgendes sagt: „Meine Fernsehpräsenz in Deutschland hat mir viel geholfen, erfolgreich zu sein. Dafür bin ich vor allem dem Saarländischen Rundfunk dankbar. Krimhild Waskönig und Sie, Herr Klöckner, machten doch für die SR-Serie ‚Saarlight‘ damals einen Film über mich. Ich weiß es noch ganz genau. Beim Abschied fragte mich Frau Waskönig, was ich noch so vorhabe mit dem Fernsehen. Ich sagte ihr, Fernsehen mache ich gerne. Drei Wochen später war ich Fernsehköchin in Saarbrücken. Krimhild Waskönig fehlt mir, ihr Tod kam sehr überraschend damals und hat mich tief getroffen. Sie war eine wunderbare Frau. Doch sie weiß, dass wir liebevoll an sie denken.“

Es hat mich sehr verwundert, dass sie das so formuliert hatte, denn ich weiß, dass sie seit Jahrzehnten mit Alfred Biolek befreundet ist.

Léa Linster wechselt das Thema. „Wie mit Lebensmitteln umgegangen wird, ärgert mich. In allen Medien wird über Gesundheit diskutiert. Doch ohne Konsequenzen. Selbst auf Gesundheitsseminaren wird in der Mittagspause schlechtes Essen serviert. Gutes Essen und ein gutes Bewusstsein für Ernährung tun allen gut“, echauffiert sie sich. „Der Natur auch, die Natur ist natürlich eine ganz Schlaue und weiß sich zu verteidigen, wenn wir so blöde mit ihr umgehen. Kulinarik und Gastronomie gehören zur Kultur eines jeden Landes. Das muss viel mehr in das Bewusstsein gerückt und gepflegt werden. Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was über Lebensmittel geschrieben wird und was die Menschen, auch die Entscheider, darüber wissen.“

1982 übernahm Léa Linster den elterlichen Betrieb. Noch heute schwärmt sie von der Kochkunst ihres Vaters. 1989 gewann sie, wie bereits erwähnt, den Bocuse d‘Or. Mit ihrem weltberühmten Rezept – das Lamm „Bocuse d‘Or“ in der Kartoffelkruste, serviert mit Gemüse der Saison und Rosmarinjus. Bis heute ist sie die einzige Frau, die diesen Preis je gewann. Léa Linster erinnert sich: „1987 wurde der Preis zum ersten Mal ausgeschrieben. Ich war die Zweite, die diesen Preis gewann. Ich war Anfang 30 und war sehr motiviert, etwas zu erreichen. Und wenn ich etwas will, gibt es nicht viel, was mich davon abhalten kann.“ Sie lacht und klärt mich auf: „Ich bin Stier. Ich habe viel von Paul Bocuse gelernt. Er hat für die Zunft der Köche so viel gemacht wie kein anderer. Er hat sie wieder stark gemacht, er hat den Köchen eine Identität gegeben. Diese ganzen Star- und Fernsehköche, und wie sie sich alle nennen. Ihre Möglichkeiten, sich heute so zu präsentieren, das hat Paul Bocuse in die Wege geleitet. Und dafür sollten alle Köche ihm dankbar sein!“

Léa Linster kocht bis heute eine klassische französisch-luxemburgische Küche. Sie rennt keinem Modetrend hinterher, kennt ihre Wurzeln. Sie weiß, was es braucht, um gut und geschmackvoll zu kochen. Natürlich integriert sie die eine oder andere Entwicklung in ihre Küche, doch Léa Linster weiß genau, was die Basis ihres großen Erfolges ist.

„Schäumchen hier und Schäumchen da“ ist nicht ihre Philosophie. In ihrer Küche geht es um Qualität und Geschmack. Da brodeln die unterschiedlichen Fonds in großen Töpfen auf dem Herd, und Madame betont immer wieder, dass bei ihr alles mit großer Liebe gekocht wird.

Da ich im Pavillon Madeleine von Léa Linster noch nie gegessen hatte, fuhr ich zwischendurch mal nach Kayl. Ein wunderschöner Pavillon in einem Park wirkte sehr einladend auf mich. Gastgeberin ist dort Njomza Musli, die Geschäftsführerin. In ihrer liebenswerten Art leitete sie uns an einen der letzten freien Tische, wo wir ein hervorragendes Bistromenü kosteten.

Zurück bei Léa Linster, sagte die Sterneköchin zu mir: „Schön, dass es Ihnen gefallen hat. Njomza macht das sehr gut. Sie kam sehr jung zu mir, die Leute sagen immer, sie sei die kleine Léa.“ Wir könnten jetzt noch stundenlang weiterreden. Über ihre erfolgreichen Bücher, ihre Arbeit als Kolumnistin, über Kochen im Fernsehen und was weiß ich noch. Doch all das ist bekannt.

Zum Abschied sprach Léa Linster noch ein paar bemerkenswerte Sätze: „Alle Menschen haben ein Recht auf ein gutes und gesundes Essen. Ein Genießer zu sein, macht das Leben um vieles schöner. Ich bin auch der Meinung, dass auf dieser Welt niemand hungern müsste. Aber solange die Menschen mehr Interesse am Geld als an den wesentlichen Sachen haben, wird es schwierig. Es ist schade, wenn man von allem den Preis kennt, aber nicht den Wert.“

Léa Linster 3 Jahren.
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Léa Linster 3 Jahren.
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