Meisenheimer Hof

Verifiziert von Rolf Klöckner
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Obergasse 33, 55590, Meisenheim, Deutschland
33 Obergasse Meisenheim Rheinland-Pfalz 55590 DE

Ein Koch mit großer Zukunft

Der Tipp einer Bekannten führt mich dieses Mal ins Nordpfälzer Bergland. Genauer gesagt nach Meisenheim in den „Meisenheimer Hof“. Die etwa einstündige Anreise lohnt jeden Kilometer, wie er findet.

Wer im Saarland residiert, gleich, ob mit festem Wohnsitz oder zu Besuch, hat eine hervorragende Ausgangssituation, um viele weitere kulinarische und landschaftliche Besonderheiten außerhalb dieses Bundeslandes zu erleben. Die Entfernungen sind gering, lohnenswerte Ziele im Elsass, an der Mosel, Südpfalz, in Luxemburg, Lothringen oder dem Land zwischen Glan und Nahe sind mit einer einstündigen Autofahrt problemlos zu erreichen.

Ich mache mich heute einmal auf ins Nordpfälzer Bergland. Nach Meisenheim. Eine kleine Stadt voll wunderbarer Bausubstanz. Überall Fachwerkhäuser und enge Gassen, in denen die Geschichte atmet. Am Fuße des Hunsrücks schlängelt sich der Glan in vielen Kurven dahin, bevor er bei Bad Sobernheim in die Nahe mündet.

Hotel, Weingut und Restaurant

Doch wandern ist heute nicht mein Thema. Ich möchte zum „Meisenheimer Hof“. Die Thailänderin Pao Prasertdet, eine Bekannte von mir, arbeitet hier in der Küche und hat erzählt, dass ihr Chef, Küchenmeister Markus Pape, ein ganz besonderer Koch sei, den ich unbedingt kennenlernen müsse.

Ich betrete den „Meisenheimer Hof“ durch das Barockportal und habe die Auswahl zwischen dem historischen Gastraum „Zur Blume“ mit seiner zweihundertjährigen Holztäfelung oder dem „Jägerzimmer“, in dem auch Meisenheimer Jäger einen Stammplatz haben. Essen kann man aber auch in der „Brunnenstube“, geprägt durch einen mittelalterlichen Brunnen. Bei schönem Wetter sitzen viele Gäste draußen im schattigen Innenhof, dessen Abschluss die Stadtmauer bildet.

Moderne und alte Kunst, große Gläser, in denen Wein atmen kann. Schönes Geschirr, freundliche und kompetente Bedienung – all das fällt mir gleich auf. Hinter dem Restaurant in mittelalterlichen Gewölben finde ich die moderne Bar „Zur blauen Meise“ für Aperitif, Digestif, freundliche Gespräche bei dem einen oder anderen Glas einer der zahlreichen Spezialitäten. Vor allem gibt es jeweils mehr als 100 Positionen von der Nahe und aus Bordeaux. Schwerpunkt sind aber deutsche Weine. Daneben liegt die Weingrotte des Hauses, der wunderbare Weinkeller mit seinen Schätzen.

Das Haus besteht aus drei Grundpfeilern: dem Restaurant, dem Hotel und dem dazugehörigen Weingut Klostermühle. Ich setzte mich mit Markus Pape in den Hof bei einem Glas vom hauseigenen Weingut und lasse mir die Geschichte des Hauses erzählen. „Unser Anwesen ist begründet auf einem denkmalgeschützen Haus von 1618, das wir grundrenoviert haben, um hier ein adäquates Hotel mit einem hohen Standard zu entwickeln. Wir haben 17 Zimmer für Hotelgäste und 44 Sitzplätze im Restaurant. Dazu kommt die Sommerterrasse und eine Etage höher ein Veranstaltungsraum in einem ehemaligen Kino. Dort machen wir auch Konzerte und private Feiern.“ Das Restaurant sei der wichtigste Bestandteil des Hauses, betont er. „Wir wollen uns über die Küche definieren. Wir sprechen bewusst Genießer an, die hier auch übernachten. Das Restaurant hat eine Speisekarte für alle Bereiche, wir haben nicht das typische Gourmetrestaurant und eine rustikale Stube. Nach meiner Philosophie gibt es alles überall im Haus. Der Gast kann zwischen Degustationsmenüs oder etwas aus der Karte wählen. Mittags gibt es ein kleines Businessmenü mit drei Gängen für 14,90 Euro, um Hemmschwellen zu senken und auch vielen Einheimischen unsere Kochkunst vorzustellen.“

„Wir sparen nie am Produkt“

Am Wochenende ist die Weinbar geöffnet, hier wird auch ein eigener Gin präsentiert. 38 Positionen hat die Ginkarte, auch zwei von der Saar. Ansonsten hat in diesem Haus Bacchus für den Weingenießer ganze Arbeit verrichtet. Markus Pape ist im Sauerland groß geworden. Täglich hat seine Großmutter für ihn gekocht – so, wie es damals üblich war: Gulasch, Erbsensuppe, Apfelpfannkuchen mit Äpfeln aus dem eigenen Garten, die der kleine Markus vorher einsammelte. Mit 14 Jahren fing er selbst an zu kochen, bei Touren seiner Fußballmannschaft kochte er für alle Spaghetti Bolognese. Er fand eine hervorragende Lehrstelle im von Gault-Millau mit 15 Punkten ausgezeichneten „Hotel zur Post“, heute „Hotel Am Wallgraben“, bei Familie Wiegelmann in Brilon. Bis heute ist Pape den Kochprinzipien seines früheren Chefs treu geblieben. Von dort aus zog es ihn zu Jean-Claude Bourgueil ins Düsseldorfer Restaurant „Schiffchen“, zu Dieter Müller ins „Hotel Lerbach“, dann an die Nordsee nach Cuxhaven in das „Badhotel Sternhagen“. Letzte Station war dann bei Sternekoch Biermann in Soest. In all diesen Häusern funkelten die Sterne. Nach der Küchenmeisterprüfung in Dortmund kam nach kurzer Cateringtätigkeit das Angebot aus Meisenheim, Peter Scharf von der „Wartenberger Mühle“ vermittelte ihn. Seit Oktober 2013 steht er hier in der Küche, zahlreiche Auszeichnungen hat er in dieser kurzen Zeit bereits bekommen: den BIB Gourmand von Michelin, erwähnt im „Feinschmecker“, Gault-Millau, „Gusto“, „Falstaff“, „Schlemmerführer“ und „Varta“. Außerdem ist das Haus Partner von Slow-Food.

Irgendwie erinnert mich der Nordrhein-Westfale an den jungen Cliff Hämmerle. Wie aber ist seine Kochphilosophie? „Das Produkt muss stimmen“, betont er. „Das muss einfach gut sein, da sparen wir auch nie daran. Und es darf nicht überladen sein, es geht um eine klare Handschrift. Dazu habe ich hier keinen Druck, etwas erreichen zu müssen, das macht bei Entscheidungen frei.“ Eine halbe Stunde später lässt er mir servieren: zweierlei Jakobsmuscheln, Dorade-Wildfang mit Sellerie-Safransauce, Sobernheimer Rehrücken, original Beans Schokoladenvariation. Ich bin begeistert und ich lehne mich weit aus dem Fenster, wenn ich sage: Von diesem Küchenmeister können wir noch eine Menge erwarten und er wird seinen Weg gehen. Ausgezeichnet!

Voller Lob ist der Küchenchef über seine Mitarbeiter und seine Frau, die alle seine Küchenphilosophie unterstützen. Ich gehe noch in die Küche, Pao besuchen. Dabei habe ich die Worte ihres Chefs im Ohr, der mir kurz vorher sagte: „Pao ist eine von mir sehr geschätzte Köchin und Mitarbeiterin. Es war ein Glück, dass ich sie fand. Früher hatte sie ein Thairestaurant hier und suchte eine andere Aufgabe. Sie kam vorbei, wir lernten uns kennen und ich wusste ziemlich schnell: Wir kommen zusammen. Mittlerweile ist sie eine große Stütze in der Küche, ich bin froh, dass sie da ist. Ihr thailändischer Kochstil tut uns gut.“

Ich verabschiede mich bei Pao und bedanke mich, dass sie mich auf dieses Haus hingewiesen hat.

Meisenheimer Hof.jpg 2 Jahren.
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