Mettlacher Abtei-Bräu

Verifiziert von Rolf Klöckner
Mettlacher Abtei-Brauerei
Mettlacher Abtei-Brauerei
Mettlacher Abtei-Brauerei
Bahnhofstraße 32, 66693, Mettlach, Deutschland
32 Bahnhofstraße Mettlach Saarland 66693 DE

Feinstes Bio-Bier

Die Mettlacher „Abtei-Brauerei“ setzt auf das Reinheitsgebot in seiner ursprünglichsten Form. Hier kommen nur Bio-Produkte zum Einsatz. Entsprechend schmeckt das Bier immer ein wenig anders.

Ein sommerlicher Spaziergang in Mettlach entlang der Saar. Vorbei an der Anlegestelle der Flussschiffe, linker Hand die altehrwürdige Abtei von Villeroy & Boch. Dann sind es nur noch wenige Meter, und ich sehe schon das Gelände der „Abtei-Brauerei“. Ein großer Biergarten vor dem Haus lockt, die Sonne meint es heute gut mit den Betreibern und den Gästen. Ich greife mir eine der zahlreichen Speise- und Getränkekarten, die auf den Tischen liegen, und blättere ein wenig. Das Angebot gefällt mir: Von den traditionellen Weißwürsten, frisch gebrüht, über den deftigen Bauernfladen mit Kochschinken, Zwiebeln und Crème fraîche, Hausmacher Sülze oder Strammer Max finde ich Deftiges zur Bierbegleitung. Aber auch Gulaschsuppe, Kartoffelsuppe oder Leberknödelsuppe sind hier notiert. Darunter zahlreiche Salate, dann saarländische Spezialitäten wie Lyoner, Leberknödel, Wurstsalat oder gebratene Blutwurst.

Bei schönem Wetter genießen die Gäste die Bierspezialitäten des Hauses natürlich am liebsten auf der großen Terrasse. - Foto:D.G.

Bei schönem Wetter genießen die Gäste die Bierspezialitäten des Hauses natürlich am liebsten auf der großen Terrasse. – Foto:D.G.

Danach steht das Schwein im Mittelpunkt: als Schnitzel, Abtei-Geschnetzeltes oder Schweinebäckchen mit Senfsauce. Der Biosenf stammt aus dem Haus. Vom Rind gibt es Rouladen und Rumpsteaks. Fleischlos geht es weiter, etwa mit Spätzle-Topf, Kartoffel-Gemüse-Auflauf und paniertem Schollenfilet. Auch für die Kleinen steht etwas auf der Karte, familienfreundlich i(s)st man hier…. Ich bestelle mir erst einmal ein frisch gezapftes Abtei-Bräu, denn ich bin in der einzigen Bio-Brauerei Südwestdeutschlands. Was bedeutet das, wir haben doch ein deutsches Reinheitsgebot? Als dieses vor fast 500 Jahren erlassen wurde, gab es noch keine industrielle Produktion, keine Genmanipulation und kein Monsanto. Was heute in Industriebier alles enthalten ist, war seinerzeit noch unbekannt. Heute gibt es ja einen Parallelmarkt zu den natürlichen Produkten, einfach billig und mit viel Lebensmittelchemie. Bei Lebensmitteln und Getränken.

Deshalb ist diese Brauerei hier in Mettlach dem Geist des Reinheitsgebots am nächsten. Wolfgang Fell, einer der Betreiber, klärt mich auf: „Wir verarbeiten ausschließlich Bioprodukte. Natürlich aus Deutschland. Unser Hopfen kommt vom Bodensee aus einem Demeter-Betrieb. Die Dolden werden dort abgeerntet und zu Pellets verarbeitet. Das heißt, sie werden gemahlen, gepresst und daraus Pellets gemacht.“ Dadurch wird der Hopfen haltbar und verliert keine Qualität. „Die Braugerste kommt aus Rheinland-Pfalz, aus der Nähe von Kirchheimbolanden“, erzählt er weiter. „Sie haben dort eine Bio-Braugerste, die in einer Melzerei in Bamberg weiter verarbeitet wird. Auch die Hefe ist bei uns natürliche Bierhefe, keine genmanipulierte.“

Fell stellt mir seine Biere vor: „Unser Standardbier ist das Mettlacher Abtei-Bräu, unfiltriertes Biobier. Schmeckt jedes Jahr etwas anders, weil die natürlichen Rohstoffe etwas anders schmecken. Wie beim Wein bestimmt die Natur den Geschmack. Anders eben als beim Industriebier. Dazu gibt es jährlich verschiedene Sondersude. Zurzeit haben wir ein leichtes Sommerbier mit nur 2,9 Prozent Alkohol. Es ist stärker gehopft, um mehr Volumen reinzubringen.“

Im Winter gibt es den Hubertusbock, der ab November ausgeschenkt wird – natürlich mit mehr Alkohol. „Außerdem brauen wir noch unser Ludwinusbier zur Mettlacher Ludwinuswallfahrt an Christi Himmelfahrt. Wir machen auch noch ein Römer-Pils, ein etwas dunkleres Bier, das wir für die Römertage der Villa Borg brauen. Wir haben leider kein Vertriebsnetz im Saarland, verkaufen alles hier im Haus. Wenn aber jemand ein Privatfest feiert oder eine Firma oder Verein anfragt, brauen wir ihnen auch ein besonderes Bier. Immer 1.500 Liter brauen wir, den Rest verkaufen wir im Haus“, betont Fell.

Wolfgang Fell ist selbst schon immer leidenschaftlicher Biertrinker gewesen. Eines Tages braute er sein eigenes Bier in der Küche: „Mit meinem Schwager Michael Schorn und meiner Schwester Ursula sowie meiner Frau Karin starteten wir 1995 einen Versuch. Das ist uns auch gelungen, das Bier war allerdings zu stark. Die Frauen haben es gekocht, die Männer haben es verkostet. Die Mischung stimmte noch nicht, zu viel Malz, zu wenig Wasser.“

Diese Versuche wiederholten sie mehrmals. Bei einem Gespräch mit dem damaligen Mettlacher Bürgermeister Zimmer erzählten sie diesem von der Idee, ein Brauhaus zu bauen. Großes entsteht im Kleinen – wenn man Mut hat! Beide Herren waren vorher seriöse Handwerker, Wolfgang Fell hatte einen Betrieb für Klima- und Lüftungstechnik, sein Schwager einen Zimmermann- und Dachdeckerbetrieb. Der Bürgermeister war begeistert von der Idee und bot ihnen dieses Grundstück an, auf dem heute das Brauhaus steht.

Das war 1996. Nach neun Monaten stand es, vom ersten Spatenstich an bis zum ersten Bierverkauf! Vier Quereinsteiger, die weder Brauer noch Gastronomen waren. Ostersamstag 1997 war Eröffnung, sie wurden von den zahlreichen Kunden regelrecht überrollt. Heute leiten sie seit 18 Jahren einen Betrieb mit rund 30 Angestellten und drei Bierständen, die sie vermieten.

Wahl einer Bierkönigin

Seit zehn Jahren machen sie nun auch noch Senf, ein Bioland-Produkt. Die Rohstoffe kommen aus dem Saarland, Bauer Comtesse aus Wadgassen lässt grüßen. Dieser Senf wird auch in der eigenen Küche eingesetzt. Salz, Zucker und Essig wird mit einer Nassvermahlung des Senfes gemischt. Alles ganz natürlich! Wie früher, ein altes Rezept. Die Senfkörner werden eingeweicht und dann vermahlen. Die Zutaten werden beigemischt, und es folgt eine zweite Vermahlung. Die Industrie macht dies heute ja mit Senfmehl, in diesem Haus wird die Saat verarbeitet. Handwerkliche Herstellung!

Für das nächste Jahr hat Wolfgang Fell noch eine besondere Idee: die Wahl der Deutschen Bierkönigin auf dem Messegelände in Saarbrücken. Er erzählt mir: „2016 im März haben wir 500 Jahre Reinheitsgebot des deutschen Bieres. Wir wollen das groß feiern und haben dazu eine Idee. Wir waren ja seinerzeit mit die ersten, die eine Bierkönigin wählten, das war 1997. Mittlerweile gibt es viele Bierköniginnen in Deutschland, im Saarland haben wir zwei. Wie bei der Wahl der Deutschen Weinkönigin, wollen wir im nächsten Jahr eine große Veranstaltung in Saarbrücken machen, wo Wissen, Engagement und vieles mehr bewertet wird, um Deutsche Bierkönigin zu werden.“ Dies soll dann alljährlich stattfinden, immer im Saarland…

Mettlacher Abtei-Brauerei 2 Jahren.
Mettlacher Abtei-Brauerei 2 Jahren.
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