Die Mezedes-Kultur lebt wieder auf

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Die Mezedes-Kultur lebt wieder auf

In ihrem griechischen Lokal „Kouzina“ in Saarlouis bieten die Brüder Messiakaris seit einem guten Jahr eine besondere Gastronomie, die auf leckere Kleinigkeiten und Kommunikation der Gäste setzt. Die kulinarische Vielfalt begeistert auch Feinschmecker.

Auch im Griechenland der 60er- und 70er-Jahre war diese Kultur weit verbreitet. In Griechenland nennt man diese kleinen Gerichte Mezedes. So traf man sich mit Freunden in einer Taverne zu Wein oder Ouzo und dazu wurden kleine Schälchen mit Spezialitäten des Landes gereicht.

Mit Ausbreitung des Massentourismus ging dies zumindest in den Zentren des Tourismus verloren. Anderseits hat sich ein neuer Typ von Gastronomie entwickelt, die sogenannte Mezedopolia, die gerade diese Kleinigkeiten anbietet. Und dieses Konzept gibt es auch in Saarlouis.

Also verabredete ich mich mit ein paar Freunden in Saarlouis in den Kasematten. Wir wurden von den Betreibern, den Brüdern Messiakaris sehr freundlich begrüßt.

Dino Messiakaris berichtete mir: „Wir sind seit 1999 in Saarlouis. Angefangen haben wir in einem Restaurant mit ganz normaler griechischer Küche. Im Februar 2012 haben wir das „Kouzina“ eröffnet, mit neuen Ideen. Unserer Meinung nach ist diese Küche die authentischere.

Typisch griechisch: gemeinsames Essen

Es ist nun mal typisch, in Griechenland mit vielen Leuten am Tisch zu sitzen, auf dem viele Kleinigkeiten stehen, sich mit Freunden ein Essen zu teilen. Mezedes bedeutet halt Appetithäppchen, und so kann man sehr abwechslungsreich essen. Es ist ein sehr kommunikatives Essen.“

Stelios Chatzimichail serviert viele kleine Köstlichkeiten statt einer sättigenden Hauptspeise.

Stelios Chatzimichail serviert viele kleine Köstlichkeiten statt einer sättigenden Hauptspeise.

Ich liebe diese Art von Küche. Schon als Kind fand ich es immer grausam, wenn wir bei Verwandten waren und ich eigentlich schon nach der viel zu üppigen Vorspeise satt war. Die Erwachsenen servierten dann den Hauptgang: Schweinebraten, Rinderbraten, Kalbsbraten. Mit Nudeln, Kartoffeln, Reis. Dazu Möhrchen und Erbsen durcheinander, Blumenkohl mit einer dicken Sauce sowie meistens warme Bohnen und noch mindestens fünf Salate. Ich finde so ein Essen abstoßend.

Bis heute kritisiere ich auch an Restaurants einen Koch, der sich nicht entscheiden kann. Weniger ist mehr, vor allem wenn die Qualität stimmt.

Ich mag den besten Fisch oder das beste Fleisch, das es zu kaufen gibt, dazu ein passendes Gemüse, entweder mit einer kleinen Portion Reis, Nudeln, am besten selbergemacht, oder Kartoffeln. Aber keine Portionen für Stahlarbeiter oder Bergleute. Dies war mal nötig in der Zeit, als Tausende schwer, zum Teil unmenschlich hart, arbeiten mussten. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Das „Kouzina“ ist ein offener Ort, hinten rechts ist die Küche und drum herum sitzen die Gäste in einem großen Raum. Die Tische kann man zusammenstellen oder auseinander anordnen, sodass hier schon das Gefühl einer großen Brasserie aufkommt, in der alle zusammensitzen.

Die „Kouzina“ hält auch jeden Tag sechs Spezialitäten zum Mittagstisch bereit, für all jene, die dies aus Zeitgründen wünschen. Ich war aber begeistert von den vielen Kleinigkeiten, die auf unserem Tisch standen: gegrillte Peperoni mit Knoblauchsud, Kartoffelcarpaccio mit gebackenem Ziegenkäse und Basilikumpesto, Fischrogencreme vom Stockfisch mit Zitronen, Olivenöl und pürierten Kartoffeln, marinierte Scampi mit Kräutern in Zitrone-Safran-Vinaigrette, Meeresfrüchtesalat aus Oktopus und Scampi in Vinaigrette, gebratene Sardinen mit hausgemachter Remoulade, serviert mit Rosmarin und Meersalz, panierte Muscheln mit Zaziki und Zitrone, würzige griechische Würste mit gebratenem Spitzpaprika, Lammkoteletts vom Grill mit Knoblauch und Rosmarin und noch ein paar andere Spezialitäten. Es war bemerkenswert, wie schmackhaft dies alles angeboten wurde. Und die Vielfalt bot auch einen grenzenlose Genuss.

Eingerichtet wurde das Restaurant von dem Saarlouiser Innenarchitekten und Restauranteinrichter Norbert Gruhn. Er wohnt nur ein paar Schritte entfernt, in der Französischen Straße.

Was treibt ihn an, Restaurants oder Messestände zu gestalten? „Meine Motivation war es, den Genuss am Arbeitsplatz schon zu verspüren. Die Aufgabe war, aus einem denkmalgeschützen Gebäude etwas zu machen. Es stand leer. Hier war gar nichts. Es musste natürlich auch bildlich zu erkennen sein, was die Brüder Messiakaris wollten. Es galt Lebensfreude, Zusammensein und das Besondere, was die beiden Betreiber versprühen, in der Gestaltung umzusetzen.“

Dino (l.) und Babi Messiakaris setzen auf die Esskultur ihrer Heimat.

Dino (l.) und Babi Messiakaris setzen auf die Esskultur ihrer Heimat.

Gruhn setzte sich mit den Inhabern an einen Tisch, speiste mit ihnen und hörte sich ihre Wünsche an. Die Kasematten sind ein einmaliger Ort, nicht nur im Saarland, laden geradezu ein, hier ein besonderes Restaurant zu konzipieren. Gruhn merkte gleich, wohin die Reise gehen sollte: Gemütlichkeit im großen Rahmen, entgegen einem normalen Restaurantcharakter, wo Freunde sich treffen und zusammensitzen. Die beiden Griechen banden ihren Innenarchitekten in alle Prozesse ein. Er war dabei, als sie kochten und lernte so schnell den täglichen Organisationsablauf des Restaurants kennen. Er lernte die Gelassenheit und Freundlichkeit zu schätzen und wusste dann, was von ihm erwartet wurde.

Und ich stellte nach meinem Besuch fest: Es ist ihm gelungen. Die Karte unterscheidet sich wohltuend von der Konkurrenz und hier wird das Leben gefeiert. In den Saarlouiser Kasematten präsentieren die beiden Köche auch mal einen frischen Barsch am Tisch, der dann auf eine sehr schmackhafte Art gekocht wird.

Die Vielfältigkeit guten Essens ist auch eine Besonderheit dieser Region, die sich für ihre gute Küche einen Namen gemacht hat. Ich freue mich immer wieder, wenn ich feststelle, dass durch den hohen Qualitätsanspruch beim Essen, den die Menschen hier im Dreiländereck haben, der Genuss solche Blüten schlägt. Der Besuch im Kouzina eröffnete mir eine weitere Option, hier einen Tisch zu reservieren, wenn ich mit Freunden gut essen will.

„Sie können bei uns ein Essen als Fest erleben“

Zum Abschied gab mir Babis Messiakaris noch mit auf den Weg: „Du gehst in Griechenland in eine Kneipe und weißt, du bist nicht allein. Rund um die Küche sitzen die Leute und wollen ihre Freude teilen. Wir haben noch eine Menge vor. Der erste Schritt ist getan. Wir freuen uns auf viele weitere Gäste. Sie können bei uns ein Essen als Fest erleben.“

Ich fuhr nach Hause und verabredete mich mit Freunden eine Woche später zum nächsten Essen im „Kouzina“.

Rolf Klöckner ist Ehrenmitglied des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Entscheidend für die Ernennung waren seine langjährigen und erfolgreichen Bemühungen, Kindern das Kochen als grundlegende Kulturtechnik zu vermitteln.

INFO:
Kouzina
Dino und Babis Messiakaris,
Kasemattenhof 28, 66740 Saarlouis
Telefon 06831-9663012,
kein Ruhetag

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