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Interview mit Rolf Klöckner

Unser letztes Interview endete mit der Frage: „Was sind ihre nächsten Pläne?“

Darauf antworteten Sie:
Das Saarland zum kulinarischen Mittelpunkt Deutschlands zu machen und den Saarländern klar zu machen, dass es noch eine genussvollere Welt jenseits vom Schwenkbraten gibt.

Haben Sie dieses Ziel erreicht?

Ja, wir sind einen großen Schritt nach vorne gegangen. Das Jahr 2008 hat das Saarland in den Mittelpunkt des kulinarischen Deutschlands gerückt. Klaus Erfort hat an Auszeichnungen abgeräumt, was abzuräumen war. Christian Bau bestätigt immer und immer wieder, dass er, wie Klaus Erfort, zu den fünf besten Köchen Deutschlands gehört. Das gibt es in keinem anderen Bundesland. Vor allem, wenn man bedenkt, dass dahinter eine ganze Reihe herausragender und motivierter Köche stehen. Wer die FLICFLAC-Dinnershow in Saarbrücken gesehen hat, weiß, warum Alexander Kunz die besten Feste in Deutschland bekocht. Köche, wie Rita Huber, Wolfgang Quack, Cliff Hämmerle, Stefan Burbach, Olaf Bank und viele, viele andere haben aus unserem Bundesland ein kulinarisches Paradies geschaffen.

Merken dies auch die Menschen im öffentlichen Raum, die das Sagen haben?

Leider nicht immer. Reden Sie mal mit den Spitzenköchen, die sind nicht immer mit ihren Darstellungen durch Städte und Land zufrieden. Ich halte die Ausgangssituation auch für problematisch. Wenn man in der Politik Erfolg haben will, muss man nicht unbedingt ein Genießer sein. Dies ist vielleicht in unserer heutigen Zeit auch hinderlich. Jetzt sollen die Volksvertreter über Dinge reden und entscheiden, von denen nur ein ganz kleiner Teil der Menschen wirklich Ahnung haben. Die meisten aus der Politik haben von gutem Essen und Trinken nicht den geringsten Schimmer. Das ist bei anderen Berufsgruppen übrigens nicht anders. Wie viel Journalistenkollegen kennen Sie im Saarland, denen Sie die Bezeichnung Gastrojournalist, ohne wenn und aber, glauben?

Das beantworten wir nicht, Sie haben doch dazu sicherlich eine Meinung!

Ja, natürlich. Es gibt sicherlich 50 Menschen, die über das Thema hier im Land berichten. Wenn 20 Prozent davon ein Grundwissen über essen und trinken besitzen, wäre ich überrascht. Es ist im Saarland nicht anders, wie im Fernsehen. Viele plappern über das Thema, wenige sind ernst zu nehmen! Leider ist das so.

Deshalb ist es auch so schwierig dieses besondere Thema im Bewusstsein der Menschen zu verankern. Wenn die, die Sendungen, die Gesetze, die Zeitungsseiten und die Kommentare schreiben, nicht wissen, was abgeht, was sollen sie dann berichten und wie etwa aufklären?

Doch es gibt doch sicherlich auch positive Entwicklungen, erzählen Sie uns doch mal von positiven Geschichten für die Zukunft.

Aber natürlich. VÖLKLINGEN, meine Entdeckung im Jahre 2008.

Hier gibt es eine Stadt, die viele positive Akzente setzt. Über Parteigrenzen hinweg wird gemeinsam zum Wohle Völklingens gearbeitet. Zwei Namen stehen dafür: Oberbürgermeister Klaus Lorig und der Direktor der VHS, Karl-Heinz Schäffner.

Es gibt ein einmaliges Projekt, www.voelklingen-lebt-gesund.de, indem Wundervolles passiert. Dabei geht es um Gesundheit, Sport und Genuss. Es gibt hier aber auch eine kreative Szene, Maler, Musiker, freischaffende Künstler, die dieser Stadt Farbe für die Seele geben. Und Genusskünstler, auch im regioGuide gelobt und ausgezeichnet.

Innerhalb des Projektes wurden Metzger und Bäcker motiviert, noch bessere Produkte zu erzeugen. Restaurants wurden angehalten, Gesundes und Genussvolles auf die Karte zu setzen, es wird immer sorgfältiger gearbeitet.

Und das kommt an, das Parkhotel Albrecht ist ein hervorragendes Beispiel für eine überzeugende Konzeption.

Was die Völklinger Politiker von anderen unterscheidet, sie können beurteilen, wer mittelmäßig ist und wer besser ist. Die Internetseite des Projektes hat mein alter Kumpel Thomas Pelletier gestaltet. Er macht seit zehn Jahren das Layout und die Internetpräsenz von regioGuide. Er kann es halt, das sieht man auch. Deshalb greifen mehr als 10.000 Mal Menschen jeden Monat auf diese Internetseite. Die Völklinger Verantwortlichen haben ihn engagiert und der Erfolg spricht seine eigene Sprache…

In Völklingen hat man vieles verstanden, was andere noch lernen müssen.

Was läuft mit Ihrem Verlag, was sind Ihre nächsten Pläne?

Nun, wir haben 2008 mein Buch „KOCH DOCH EINFACH“ vorgelegt. Ein riesiger Erfolg. Dazu gab und gibt es Kochkurse, die vor allem ärmeren Menschen, Studenten und allein Erziehenden aufgezeigt haben, wie man, mit nicht allzu viel Geld, recht gut kochen kann.

Der regioGuide hat sich als Genussfibel der Region etabliert. Wer bei uns gelistet ist, gehört zur Spitze der Region .Da wollen alle hin. Deshalb ist unser Konzept erfolgreich.

Von Mitbewerbern höre ich immer wieder, dass da viele Restaurants gar nicht rein wollen. 2008 hat ein Gastronom mit sechs(!) Anwälten einem Mitbewerber verboten, ihn aufzunehmen.

So etwas kenne ich nicht. Bei uns beschrieben zu werden, ist eine Auszeichnung. So sehen das auch die Gastronomen.

2009 wird es einen Wahlmarathon geben, wen werden Sie wählen?

Das weiß ich noch nicht. Ich habe in der Vergangenheit auch schon für verschiedene Parlamente unterschiedliche Parteien gewählt. Es kann gut sein, dass ich mich auch 2009 so entscheide. Fragen Sie mich nochmals im Januar 2009. Hieß es vor 18 Monaten.

Deshalb unsere Frage: Jetzt haben wir Januar 2009. Wie sieht es aus, Herr Klöckner?

Im Prinzip ganz einfach. Ich bin nicht mehr diesem traditionellen Denken verfallen, das meint, diese Partei steht für dies und das.

Deshalb mein Rat an alle Wähler: Schauen Sie sich ganz genau die Leute an, die Ihre Stimme wollen.

Wenn Sie dann nicht mehr an den Weihnachtsmann und den Osterhasen glauben, könnte Ihre Wahlentscheidung richtig laufen. Ich bin auch Wechselwähler, wer mich überzeugt, hat gute Karten.

Doch ich vergesse auch nicht, wer mich zehn Jahre an der Nase herum geführt hat, der wird bei meinen Freunden und mir nichts ernten. Es muss nicht jeder ein Schwein sein auf dieser Welt, wie in dem Lied beschrieben.

Es gibt auch andere, Vernünftige, die unterstütze ich.

Wie sehen Sie die Küche der Zukunft, welchen Stellenwert werden essen und trinken in Zukunft haben?

Ich war dieses Jahr mit Udo Pollmer nach der Sendung „Fragen an den Autor“ in Völklingen essen.

Er berichtete mir, dass die Summe der Tabus offenbar gleich bleibt. In den Sechzigerjahren dominierte die Kontrolle der Sexualität noch alles, das war das Reich des Bösen. Gutes Essen war noch etwas Besonderes, man war stolz, wenn man sonntags besondere Spezialitäten auftischte.

Die erste Figur, die eine Trendwende ankündigte, war dann Twiggy, der unweibliche Hungerhacken, dieses tapezierte Skelett mit dem Freifahrtschein zur Magersucht.

Was man gerne mag, dahinter steht die Versuchung. Das ist die ganz klassische katholische Morallehre, nach dem Verlust der Sextabus hat man sich eben ins Essen verbissen. Nun wird dieser Unsinn von so genannten Ernährungsberatern mit religiöser Inbrunst verzapft. Egal, was die Menschen essen, es ist immer falsch. Und alles, was Spaß macht, ist gefährlich. Kaffee zum Beispiel wurde als „Flüssigkeitsräuber“ verteufelt. Ganz anders der Kürbis, der nicht gerade zu den gefragtesten Genüssen zählt. Auch der wirkt harntreibend, wie der Kaffee. Doch jetzt heißt es, der Kürbis spüle die Nieren. Deshalb sei er besonders gesund. Früher wussten die Volksschüler: Wenn ich Kaffee will, muss ich vorher Wasser aufsetzen. Wenn ich das trinke, habe ich mir Flüssigkeit zugeführt. Aber nach acht Semestern Studium kann leicht der Eindruck gefährlicher Flüssigkeitsverluste entstehen.

Auf der anderen Seite gilt es Menschen zu kulinarischem Urteilsvermögen zu führen. Wer gutes Essen zu schätzen weiß, den kann man nicht mit Minderwertigem abspeisen.

Wir sollten darauf achten, dass jeder Mensch eine vernünftige GENUSSSOZIALISATION durchläuft. Wir sollten in Kindergärten anfangen und in der Hochschule immer noch darüber lehren und forschen. Jeder muss kapieren, das gutes (nicht teures) Essen das Beste für die Gesundheit ist, was es gibt. Dann sehe ich uns auf einem guten Weg.

Zum Abschluss: Was haben Sie 2009 vor, was (er)träumen Sie sich?

Das Saarland muss noch einen weiteren Schritt nach vorne tun, es muss

d i e GOURMETREGION Nr.1 bleiben.

Diese Position muss dann noch weiter kommuniziert werden.

Da kann die Politik noch eine Menge dazu beitragen. Wenn Sie, sehr verehrte Damen und Herrn aus der Politik mal wieder keine Ideen haben, kontaktieren Sie mich. Ich habe jede Menge Ideen.

Ansonsten muss die grenzüberschreitende Region noch enger zusammen wachsen. Mehr Gourmetmärkte wünsche ich mir, auch einen in Völklingen.

Und dann mein Lieblingsprojekt 2009.

Ich freue mich riesig auf die weitere Zusammenarbeit mit Billy Bärdges (www.billys-atelier.de) aus Fürstinhausen.

Sie ist eine wundervolle Malerin, ein Zauberfinger mit einem Feuerpinsel. Und ein ganzer Kopf voll genialer, außergewöhnlicher Ideen. Für unser gemeinsames Buch wird sie sechzehn Bilder malen.

Wir werden an Ostern ein Kinderbuch präsentieren, mit dem Kinder malen und kochen können. Das wird ein ganz besonderes Buch, ich freue mich riesig auf dieses Projekt. Das ist mein wichtigstes Projekt, seit ich schreibe. Das muss ganz gründlich vorbereitet werden, alles andere wird sich finden...

Herr Klöckner, Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führten Martine, Sandrine und David.

 
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