Geschmack kann man lernen
Immer wieder fällt mir auf, dass
Kinder den Geschmack von frischen Erdbeeren nicht kennen.
Geschweige den von Walderdbeeren. Gelernt haben sie im
Hamburger-Discounter den Geschmack von einem
Farbstofferdbeergeschmack, dieser ist mit all möglichen
Zusätzen versüßt und schmeckt
langweilig-süß. Dies hat sich bei unseren Kindern
dann als Erdbeergeschmack im Gehirn verewigt. Hier ist noch
viel Aufklärung zu leisten.
Die Aromakompetenz lässt zu
wünschen übrig. Ein Freund rief mich an, einer,
der sich für gutes Essen und Trinken interessiert.
„Ich habe einen ganz milden Ziegenkäse gefunden,
ein Traum, leicht und aromatisch.“ Leicht und
aromatisch klingt eigenartig! Das ist wie Schalke und
Dortmund, Oxford und Cambridge, Tag und Nacht, Frankreich
und England. Abends kam er dann bei mir vorbei. Unterm Arm
ein frisches Baguette, eine Schale mit Ziegenkäse und
einen roten Wein. Das Beste war das Baguette. Die etwas fest
gewordene Ziegenmilch war ein nichts sagender Albtraum in
weiß. Ausdruckslos, luftig, geschmacklos. Es muß
ja nicht jeder, wie mein Freund Thomas, den im Léon
de Lyon gekauften St. Marcellin in einem Zustand goutieren,
in dem schwere Explosionsgefahr bestand. Aber Sahne zu essen
und es Ziegenkäse zu nennen, finde ich langweilig. Dann
öffnete mein Freund den Wein. Ein rot gefärbtes
Gesöff mit einem Allerweltslächeln und
geschmacksfrei. Ein Wein muss Ecken und Kanten haben, darf
kein Schmeichler und Blender sein und - sollte den FC
Bayern-Effekt haben: die Hälfte der Weinfreaks findet
ihn sensationell, die andere Hälfte heult auf und
schüttelt sich. Aber gar nichts ist zuwenig!
Dieses rote, tote Wasser hatte die Geschmacklosigkeit
einer 200 Kalorien-Diät. Weich, zart, nichts sagend.
Geschmack, Genuss und Aromen sind etwas anderes. Da schmeckt
Ziegenkäse nach Ziege, ein Wein hinterlässt tiefe
Spuren, einen unauslöschlichen Eindruck, hat alle Sinne
berührt - und hat sich im Kopf des Weintrinkers fest
verankert. Besitzt Körper und Struktur, hat die
Säure dezent eingebunden und zwingt dich
nachzuschenken. Ein Olivenöl schmeckt nach Oliven, ist
fruchtig und hat Geschmack. Butter schmeckt fett, gibt der
Sauce den Geschmack. Aromen spielen die Hauptrolle, haben
etwas durchtränkt oder durchdrungen. Aromen sind der
Geschmack, aber viel zu viele haben anscheinend da ein
Defizit.
Deshalb, um auf den Anfang dieser Zeilen zurück zu
kommen, sollten wir bei unseren Kindern anfangen. Sie
sollten das Obst aus dem Garten kennen, auch die
Gemüsesorten. Sie sollten Fisch lieben und gutes vom
minderwertigen Fleisch unterscheiden lernen.
Vor ein paar Monaten
habe ich mit Billy Bärdges ein Kinderbuch
präsentiert mit dem Kinder kochen, malen und spielen
können.
Fangen wir also das Jahr positiv an und verlosen wir
für eine ganze Klasse unser Buch
PELLE, DER KARTOFFELBÄR.
Beantwortet bitte folgende Frage:
Nenne mir drei Obstsorten, die in unseren
heimischen Gärten wachsen!
Die Antwort bitte an:
regioGuide
Petersbergstraße 75
66119 Saarbrücken
oder per E- Mail an: genuss@regioguide.net
Einsendeschluss: 19. Februar 2010 |