Saarweine – Weingut Van Volxem
Das Weinbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer ist die älteste
Weinregion Deutschlands. Bereits die Römer bauten vor
2.000 Jahren hier Reben an. Es gibt in keiner anderen
Weinregion mehr Steillagenweinberge und es wird auch
nirgends die Rebsorte Riesling soviel angebaut, wie in
dieser Region im Südwesten Deutschlands an den
Flüssen Mosel, Saar und Ruwer. Dabei hat die Saar mit
über 78 % die meisten Rebflächen in Steillagen und
den höchsten Anteil der Rebsorte Riesling, die man
bereits seit mehr als 150 Jahren als die Königin der
Weißweinrebsorten bezeichnet.
Ende des 19.
Jahrhunderts galten die deutsche Rieslinge von Mosel, Saar
und Ruwer in der Welt als die besten Weißweine und
waren daher um ein vielfaches teurer als etwa Weine aus
Bordeaux. Sie wurden an den europäischen Königs-
und Kaiserhäusern ebenso genossen, wie im
prosperierenden Bürgertum. In dieser Zeit wurde auch
das Weingut Van Volxem in Wiltingen an der Saar von der
belgischen Kaufmannsfamilie Van Volxem von einem
Jesuitischen Orden aus Luxemburg erworben. Im Jahr 2000
kaufte die Familie Niewodniczanski das in den letzten Jahren
qualitativ stark nachlassende Weingut. Der jüngste Sohn
der Familie, Roman Niewodniczanski, wurde mit der Leitung
betraut. Er war angetreten mit dem Ziel und Ehrgeiz, den
Weinliebhabern auf der ganzen Welt wieder ins Bewusstsein zu
rufen, welch einzigartige Weinjuwelen in den Steillagen der
Saar entstehen können. Exemplarisch möchte ich
Ihnen das am Wein „Saar Riesling Alte Reben“
aufzeigen.
Die Trauben für diesen Wein stammen hier wirklich
von alten Reben, von wahren Reb-Methusalems, die seit 60 bis
120 Jahren ihre Wurzeln viele Meter tief in die
mineralischen Schieferböden treiben. Hoch über dem
Dorf Wiltingen liegen diese Weinberge. „Die Weine
entstehen in den Weinbergen“, so die Philosophie von
Roman Niewodniczanskis und das heißt an der Saar unter
extremen Bedingungen. Diese Weinbergslagen gehören zu
den steilsten der Welt und alle Arbeiten am Weinstock und im
Weinberg die Weinlese wie auch die Weinlese finden hier fast
unter „Hochgebirgsbedingungen“ statt.
Aber lassen wir Roman Niewodniczanski hier doch lieber
selber zu Wort kommen und uns über seine Intention als
Weinmacher, der die außergewöhnlichen
Qualitäten und Möglichkeiten des Weinbaugebietes
der unteren Saar kennt, aufklären.
„Ich arbeite
daran, dass der Name Van Volxem wieder seinen früheren
Ruf als Weltklasse-Weingut erlangt. Ich habe nicht die
Absicht, einen neuen Weinstil in der deutschen
Weinlandschaft zu schaffen. Was mich interessiert, ist das
Schöpfen aus den alten Werten, die wirklich
traditionellen Wege zu gehen, um sehr eigenständige,
herausragende Weine zu machen. Vorrausetzungen dazu sind:
Ausgezeichnete Weinlagen, alte Rebbestände, niedrigster
Ertrag, wenig Einsatz von Technik zugunsten des
traditionellen Handwerks –, sowie das Arbeiten ohne
jegliche industrielle Hefen, Enzyme, synthetische
Hilfsmittel und irgendwelcher Chemikalien im Keller. Wein
gibt es heutzutage mehr als genug. Ohne das Bemühen um
eine extrem hohe Qualität, das mühsame
Ausführen der extrem schweren Arbeiten im Weinberg,
hätte ich mit meinen Weinen keinerlei Chancen in dem
gesättigten Weinmarkt. Ich habe höchste Achtung
vor allen Kollegen, die dank Ihrer guten Arbeit zur
Renaissance des deutschen Rieslings ihren Beitrag leisten.
Doch wenn ich sie nur nachahmen würde, könnte ich
keine wirklichen Erfolge erreichen.
Le vigne aime le soleil, mais plus encore
l’ombre de son maître –
heißt ein altes Sprichwort der französischen
Winzer. D.h. die Rebe liebt die Sonne, doch mehr noch den
Schatten ihres Herrn. Wahrhaft große Weine entstehen
immer im Weinberg und in großen Lagen, doch sie
entstehen nie nur unter Verwendung von Technologie im
Weinkeller, sondern nur dank der Hände des Menschen.
Die Unterschiede im Charakter des Schieferbodens an den
Hängen längs der Saar und besonders um Wiltingen
herum, wo wir braunen, roten und schwarzblauen Schiefer mit
mal größerem und mal kleinerem Mineralienbestand
haben, sind sehr groß. Sie verursachen einzigartige
Charakteristiken und deutliche Unterschiede hinsichtlich der
Fruchtqualität, dem Aromenspektrum und der
Mineralität der Weine aus den einzelnen Terroir. Unter
der Voraussetzung, dass der Ertrag gering ist, die Weinlese
sehr spät ausgeführt wird und die Beeinflussung
des Weins im Keller möglichst minimal ist, kann ich
kaum in Worte fassen, wie fantastisch das
Qualitätspotential dieser Region hier ist. Viele
Weinliebhaber kennen sehr gut die Unterschiede im Charakter
einiger Terroir – zwischen Vougeot und Volnay in
Burgund, oder zwischen St. Julien und Pomerol im Bordelais.
Der Mehrheit der Weinliebhaber in Deutschland ist nicht
bewusst, was einen Scharzhofberger aus Wiltingen von einem
Wein aus der Lage Goldtröpfchen in Piesport
unterscheidet. Dies war früher anders. Vor 60 Jahren
etwa kannten die Menschen zum Beispiel auch in England oder
den USA genau diese Unterschiede. Deshalb habe ich vor,
innerhalb der nächsten Jahre viel Zeit darauf zu
verwenden, diese Unterschiede, wie auch das große
Potential meiner Region für die Weinliebhaber
stärker erkennbar und schmeckbar zu machen.
Das Tal der Saar
ist eine der kühlsten Regionen für Weinanbau auf
der Welt. Soweit ich weiß, haben wir hier die
längste Vegetationsphase der Reben – bis zu 160
Tagen - und die in Europa größten
Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Die
Blüte ist Mitte Juni, während die Weinlese erst
Anfang November beginnt. Dieser extrem langsame Prozess des
Reifens erlaubt die Entwicklung von intensivsten
Fruchtaromen, während der Schiefer dem Wein einen
frischen, eleganten Charakter verleiht. Außerdem
reifen als Ergebnis der globalen Erwärmung fast in
jedem Sommer in der Region Mosel-Saar-Ruwer die Trauben
optimal aus. In den 50er und 60er Jahren war dies nur jedes
dritte oder vierte Jahr der Fall. In keiner anderen
Weinbauregion wird es künftig möglich sein, so
elegante Weißweine mit einem so geringen Alkoholgehalt
zu produzieren, wie hier.
Wir arbeiten sehr
intensiv im Weinberg. Die Weinberge sind zu steil, um mit
Maschinen dort arbeiten zu können, was die
Größe meiner zu bearbeitenden Rebfläche
meines Betriebes automatisch limitiert. Aus der Tatsache
heraus, dass die Weinstöcke wirklich alt sind, ergeben
sich viele Vorteile. Es geht dabei nicht nur um den
schwächeren und damit aromatischeren Ertrag der alten
Rebstöcke. Meiner Meinung nach ist viel wichtiger, dass
die Beeren viel kleiner und aromatischer sind.
Außerdem ist meiner Erfahrung nach die genetische
Qualität alter Rieslingsorten interessanter, als die
neuen Züchtungen der letzten 30 Jahre, da sie
komplexere und damit animierendere Weine ergeben.
Der einzige Bereich wo man die Weinqualität
verbessern kann, ist im Weinberg. Im Weinkeller kann man
höchstens auf den Weinstil Einfluss ausüben. Man
kann sie trocken, halbtrocken oder lieblich ausbauen. Dazu
kommen weitere verschiedene Stilrichtungen, wie kalte oder
warme Vergärung, langsam oder schnell, der Ausbau im
Holzfass oder im Stahltank. Mit Weintrauben schlechter
Qualität kann man einen trinkbaren Wein machen, doch
nie wird man daraus einen guten Wein zaubern
können.“
Ohne Frage hat Roman Niewodniszanski mit unglaublich viel
Enthusiasmus und viel Kapitaleinsatz in kürzester Zeit
die Weinregion Saar um Wiltingen wieder auf die Weinkarten
der besten Restaurants der Welt zurückgebracht und die
Weinfreunde mit Qualitäten überrascht, die man von
dort so nicht kannte. Mit zunehmender Erfahrung
bezüglich der Eigenheiten der einzelnen Weinlagen, wie
auch im Keller, dürfen wir uns freuen auf Weinunikate,
die die Sinne betören und dabei – einzig in der
Welt – sehr bekömmlich sind.
Thomas A.
Nickels
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