Sag mir, was Du ißt und ich sage Dir, wer Du bist
Ökotropholophen haben einen sehr elitären
Anspruch. Sie glauben, die Grundbedürfnisse unseres
Organismuses besser zu kennen, als wir selber. Während
wir eigentlich von Natur aus wissen, was uns gut tut, hat
sich mittlerweile eine ganze Ernährungsindustrie
etabliert, die uns vorgibt, was wann zu essen ist. Der immer
als gesund gepriesene Kopfsalat ist dabei eine der
sinnlosesten Kreationen, die ich kenne. Er hat den
Nährwert eines Tempotaschentuches und eines Glases
Wasser. Von nahrhaft keine Spur. Da können Sie auch in
die hohle Hand spucken, das macht keinen Unterschied.
Eine sehr genussvolle Nahrungsaufnahme, damit auch
sicherlich gesünder als das „Erzwungene“,
ist der Brunch. Der Brunch hat eigentlich viele Gesichter,
weltweit wird er anders interpretiert. Wir in Mitteleuropa
meinen, wenn wir mit Frühstück beginnen und mit
dem Mittagessen enden, heißt das Brunch. Oft wird dies
in großen Hotels in Form von Buffets dargeboten.
Unerreicht und das Beste von allen ist dabei das Hotel
Metropole in Monte Carlo. In Südeuropa gibt es die
Tapas, auch wenn sie nicht überall so heißen.
Doch das Prinzip ist das Genussvolle. Ein kleines Tellerchen
hier mit etwas Meeresfrüchten, hier etwas Gemüse,
da ein klein wenig Fisch. Wunderbar!
In China sitzt man zum Essen an einer runden Tafel, in
der Mitte eine drehbare Scheibe. Zuerst wird Gemüse und
Salat serviert, die einzelnen Tischnachbarn erreichen durch
das Drehen an der Scheibe alles ganz einfach. Danach gibt es
Meeresfrüchte und Fisch. Dann helles Fleisch,
später Dunkles. Dies dauert alles seine Zeit und bietet
eine Hervorragende Möglichkeit eines ausgelassenen
Gesprächs. Beendet wird diese Form des Brunches nach
Stunden mit einer Suppe.
Meine Frau hat ihre eigene Interpretation eines ruhigen
Sonntagessens. Sie schleppt mich in der Früh in die
Küche, unterbrochen von einem kleinen
Mittagsspaziergang, verbringen wir dort den Sonntag. Ihr
experimentelles Genusslabor hat uns schon viel Freude
bereitet, auch wenn wir schon nach Nancy auf den
Sonntagsmarkt gefahren sind, um frische Jakobsmuscheln zu
erhaschen.
Wir wissen nämlich, was uns schmeckt und wir
brauchen keinen, der uns sagt, was wir wann wie zu essen
haben.
Rolf Klöckner |