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Das gute Essen in der kleinen Metropole

Man weiß zwar nicht viel über unser Bundesland, welches von Kohle und Stahl geprägt wurde. Man glaubt hier ein kleines Ruhrgebiet mit qualmenden Schloten und einer industriellen Fratze vorzufinden. Leider haben die Verantwortlichen nach dem Krieg es versäumt das Saarland bundesweit bekannt zumachen und die hohe Lebensqualität als beispielhaft unseren Landsleuten zu vermitteln.

Anfang der 80er Jahre nahm das saarländische Wirtschaftministerium all seinen Mut zusammen und druckte die Broschüre „Gut Essen und Trinken im Saarland“. Und da viele Saarländer gegenüber anderen Deutschen das Selbstbewusstsein haben von: „ Entschuldigen Sie, dass ich geboren wurde“, musste auch gleich der große Wolfram Siebeck anreisen um diesen von Komplexen gebeutelten Menschen ins Stammbuch zu schreiben:

„So viele gute Restaurants in so einem kleinem Land, das hatte ich nicht erwartet, als ich ins Saarland fuhr. Doch dann sah ich mit welcher Selbstverständlichkeit die Saarländer den guten vom besseren Wein zu unterscheiden wussten, ich aß in kleinen, bescheidenen Kneipen der Saarbrücker Altstadt und fand Qualität, wie ich sie in ähnlicher Umgebung in Paris, lange, lange suchen müsste; ich war verblüfft, auch in kleinen abgelegenen Ortschaften Restaurants zu finden, in denen gekocht wird als hätten sich die Inspektoren des Guide Michelin angemeldet. Ich erlebte Höhepunkte kompromisslos moderner Kochkunst, wo ich bereit war, wegen der äußeren Umstände des betreffenden Lokals ein Auge zuzudrücken. Schließlich - auch dies ist eine überaus erfreuliche Erfahrung - ist das Preisniveau der anspruchvollen Gastronomie deutlich niedriger als in der übrigen Bundesrepublik. Was will man mehr?“

Da hatte der Meister den Inspekteuren der großen deutschen Gastronomieführer einmal richtig die Leviten gelesen. Diese Herrschaften, die glauben das kulinarische Glück der Republik läge in Hamburg, Wiesbaden, Berlin, Düsseldorf oder München verirren sich halt selten in die kleine kulinarische Metropole. Überhaupt, aufgewachsen weit von der deutsch-französischen Grenze ist die Erziehung zu Essen und Trinken oftmals einfallslos, banal, langweilig. Die kulinarische Unwissenheit der Deutschen konnte man auch feststellen, als Bernd und Isabell Neuner-Duttenhofer 1977 das Kochbuch „Die Küche des Marktes“ von Paul Bocuse übersetzten. Das Autoren-Team schrieb:

„Wer Frankreichs Märkte kennt, weiß, wovon Bocuse spricht. Wir können doch nicht über den Markt schlendern wie Bocuse es verlangt. Wir haben keine Bressehühner zur Verfügung, es gibt nur in manchen Großstädten auf Märkten und in Delikatessgeschäften die Möglichkeit, wirklich feine Bohnen zubekommen und unter verschiedenen Tomatensorten die auszuwählen, die wirklich nach Tomaten schmecken. Wo gibt es noch echte Bachforellen? Was als Lamm angeboten wird ist junger Hammel die Gesetze für die Bezeichnung sind nur geändert worden, damit die Züchter größere Tiere verkaufen können.

Dazu kann ich nur sagen: Wie bitte? Auf dem St. Johanner Markt kriege ich seit 20 Jahren bei Addi Conrad Bressehühner und Lamm, Perlhuhn und Entenbrust, Rebhühner und Hase, in einer Qualität von der die ganze Republik nur träumt. Schon als junger Student habe ich mit meiner Frau Nebenjobs angenommen, um uns diese Köstlichkeiten leisten zu können. Bei Sybille und Norbert Werling kaufe ich seither hervorragendes Gemüse und selbst in Saarbrückens Arbeiterstadtteil Burbach gibt es in der Bergstrasse 4 einen Fischladen, indem ich nicht nur hervorragende Regenbogenforellen bekomme, nein auch die anderen Fische haben die Qualität wie in Paris-Rungis

So ist es im Saarland und deshalb ist es hier besser als anderswo. Ich weiß, dass manche Charlotte für viele nicht nur eine gute Freundin sein kann, nein, ich weiß auch, dass die Schalotte die distinguierte Schwester der Zwiebel ist.

Dass die Charlotten im allgemeinen als Königin von Kanada, auf die Art von Antonin Carême, als Russische Charlotte oder einfach nur mit Schlagsahne zu den süßesten Versuchungen seit es Nachspeisen gibt zählen, ist uns hier vor den Toren Frankreichs, natürlich sonnenklar.

Das ist nämlich der Unterschied zwischen deutscher und saarländsicher Küche: Die Küche hier ist keine andere, exotische Küche, es ist lediglich Kochkunst auf einem höheren Niveau. Hier gab es immer schon die Produkte, die die französische Küche so berühmt gemacht haben. In anderen Teilen Deutschlands is(ß)t man weit weniger anspruchsvoll. Die Saarländer reden immer vom Essen, der Patron eines Bistros erzählt ihnen gerne und ausführlich bei welchem Kollegen er vor kurzem hervorragend gegessen hat. Die saarländische Gastronomie hatte auch überhaupt keine andere Chance, denn die Konkurrenz in Stiring-Wendel, in Phalsbourg, in Bärenthal oder rund um Strasbourg lädt zum sonntäglichen Essen ein. Deshalb kochen sie bei uns als ginge es um Ihr Leben und jeder, der die saarländische Küche bei Mutter kennen gelernt hat, weiß sofort, das bessere von dem durchschnittlichen Restaurant zu unterscheiden. In jeder kleinen Gastwirtschaft gibt es diese Qualität, von der Wolfram Siebeck sprach.

Bei uns gibt es keine abgehobene Sternegastronomie und darunter beginnt der Abstieg ins Nichts. Das finde ich in einigen Teilen Deutschlands so furchtbar. Abends war ich in einem der besten Restaurants der Republik und am nächsten Mittag zwänge ich mir auf der Rückfahrt in einem Landgasthaus eine Seezunge auf Mehlpampe rein, dass mein saarländischer Magen sich überschlägt wie das Riesenrad auf dem Münchner Oktoberfest.

Die Saarländerinnen und Saarländer sind sehr gesellige Leute, die gerne bei Bier und Wein feiern, sowie die Küche ihrer Heimat sehr lieben. Schon unsere Vorfahren wussten mit wenig Geld großes auf den Tisch zu stellen. Sie kochten was der Garten hergab, was sie auf dem Feld bestellten oder was Stall und Markt lieferten. Die gute Küche ist die Küche der Jahreszeiten! Tomaten isst man im Sommer und Hummer mit Sicherheit nicht an Weihnachten, sondern im Mai. Wenn Bohnen und Zwetschgen reif werden gibt es bei uns „Bibbelsches-Bohnesupp und Quetschekuche“. So hat sich im Laufe der Monate ein abwechslungsreicher Speisekalender entwickelt. Und dort wo es ein Wissen um die Kochkunst gibt, kennt die Kreativität keine Grenzen. Wenn Sie die Saarländische Küche kennen lernen wollen, so gehen Sie in eine ganz normale Gastwirtschaft. Fragen Sie nach „Verheiratete „ (Mehlknödel und Kartoffelstäbchen durcheinander) nach „Dibbelabbes (Kartoffelauflauf mit Zwiebeln und Dörrfleisch), Hoorische (Klösse aus rohen und gekochten Kartoffeln), fragen Sie nach Spanferkel mit Majorankartoffeln, nach Hasenragout oder Boudin (Blutwurst ohne Speck in der Pfanne zubereitet).

Saarländer sind traditionell Biertrinker. Zu vielen dieser deftigen Gerichte passt wunderbar ein saarländisches Ur-Pils, ein Zwickel, ein dunkles Landbier oder eine Bier-Eiche. Doch, auch hier bei uns gibt es große Weine. Die saarländischen Weine wachsen an der Obermosel, rund um den Ort Perl. Die Weine von der Saar stammen aus Rheinland-Pfalz. Die saarländischen Weine sind bekannt für Ihre Vielfalt. Ein Riesling würde ich mir eher von der Mittelmosel bestellen, nach Aussage von Hugh Johnson in großen Jahren der beste Riesling der Welt. Auf dem saarländischen Schwemmlandboden gedeihen besser die Weine der Burgunder-Trauben. Ob ein Elbling, ein Auxerrois, ein Weißburgunder, ein Grauburgunder oder ein Spätburgunder die saarländischen Weine der letzten Jahre sind mit hohen Auszeichnungen versehen. Einige Winzer experimentieren mit Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Auch hier ist es nicht nur beim experimentieren geblieben, nein auch diese Produkte wurden 1997 und 1998 ausgezeichnet.

Sie werden feststellen, dass man in Saarbrücken nicht nur in wundervoller Umgebung essen und trinken kann, nein Sie werden auch unsere Stadt und Ihre Menschen kennen und lieben lernen. Wenn Sie selbst nach einem ausgedehnten Mahl freudig erregt zu Ihren Freundinnen und Freunden sagen:

“Hauptsach Gudd Gess“
dann wird es Zeit, den Umzug nach Saarbrücken zu planen.

Übrigens: die Wohnungspreise in Saarbrücken sind erheblich niedriger als in Frankfurt, Wiesbaden oder Düsseldorf...

 
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