Über das Departement Meurthe-et-Moselle lässt sich viel erzählen. Eine bewegte Geschichte
hat ihre Spuren hinterlassen. Karl der Kühne wollte sein Gebiet durch Lothringen bereichern. Am 4. Januar 1477 schlug
ihn Herzog René II in der Schlacht von Nancy. Sein Leichnam wurde halb von Wölfen zerfetzt gefunden. In der
Grand Rue in Nancy weist eine Mosaiktafel auf den Fundort hin. In Delacroix´ Gemälde der Schlacht von Nancy
(Musée des Beaux Arts, Nancy) zeigt der Kühne seinen mit einem Ring geschmückten Handschuh, um so sich so
zu erkennen zu geben. Er wusste, dass ein mächtiger Fürst wie er verschont bleiben würde. Als Gefangener
hatte er keine Bedeutung. Doch die heftige Schlacht wurde ihm zum Verhängnis.
Und noch eine besondere Geschichte: Stanislas Leszsynski war die Königskrone in seinem Heimatland Polen zugunsten
eines anderen genommen worden. Da er aber seine Tochter mit dem französischen König Ludwig XV. verheiratet hatte,
konnte Stanislas Leszsynski 1729 nach dem Tod von Herzog Leopold die Regentschaft in Lothringen übernehmen. Er setzte
Herzog Leopolds Werk fort und führte das kleine Land im Osten Frankreichs in ein "goldenes Zeitalter". Nach
dem Vorbild von Versailles bescherte er ihm eine prunkvolle Hofhaltung in Lunéville, Nancy und Commercy. Die meisten
Schlösser des südlichen Lothringens erbaute der Architekt Germain Boffrand zur Zeit Leopolds. Ihre aufwendige
Ausstattung aber entspricht dem "königlichen", an Paris orientierten Geschmack von Stanislas.

Daum, Baccarat, Longwy, Saint Clément bis Lunéville. Es ist fast Magie, die Verwandlung der milchigen
Glaspaste zu funkelndem Kristallglas. Der Zauber der Glasuren, die Zartheit der Fayencen, die Verbindung aus Kühnheit
und Eleganz, die das Licht tanzen und die Farben erstrahlen lässt. Motive, Reliefs, Silhouetten, Transparenz…,
all dies dient nur dazu, die Tafelrunde, die Kunst des Dekors und natürlich die Lebensfreude zu feiern.
Mirabellen, diese saftigen, süßen Früchte, deren sanfte Aromen unsere Geschmacksknospen liebkosen,
präsentiert die lothringische Küche in vielen Variationen: als Kuchen, Konfitüre, eingelegt, alkoholisiert,
kandiert oder als Sorbet. Man kann nicht genug davon bekommen. Und zu „Eau de Vie“ destilliert, schließen
sie ein jedes köstliches Mahl ab. Bei Patric Tanésy im Gastrolatre (Nancy) kosteten wir die Mirabellenschalotte
mit Bergamotte-Geschmack. Eine edle birnenförmige Frucht – zugleich Orange und Zitrone. Das ist eine der
kulinarischen Visitenkarten dieser Landschaft.
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