Kleinster EU-Mitgliedsstaat mit Sitz wichtiger Verwaltungsbehörden und anerkannter Finanzplatz.
Dies sind Merkmale, die den Bekanntheitsgrad Luxemburgs vor allem in Europa symbolisieren. Aber das kleine
Großherzogtum mit seinen fast 500.000 Staatsbürgern ist facettenreicher bei näherer Betrachtung.
Landschaftlich prägen es im Norden die Ausläufer von Ardennen und Eifel und südlich der gleichnamigen
Landeshauptstadt verleiht das 42 km lange Weinanbaugebiet der Mosel dem kleinen Land sein Gesicht.
Von Schengen, dem Geburtsort des grenzenlosen Europas, bis Wasserbillig reihen sich anmutige, kleine Weinorte wie an einer
Perlenkette auf. Rund 1100 ha Rebflächen an Mosel und Sauer stehen unter Anbau. Im südlichen Kanton Remich findet
man eine hügelige Landschaft aus Keuper-Mergel-Böden vor, während nach Norden, im Kanton Grevenmacher,
Steillagen- und Terrassenanbau dominieren. Die dort erzeugten Weine, bedingt durch einen Muschelkalkuntergrund, sind
rassiger und säurereicher als die mehr voller und runder wirkenden Weine der südlichen Weinbaugemeinden.
Im
Jahresdurchschnitt werden 150.000 hl erzeugt, wobei die meisten Weine auf das Konto der Rebsorten Müller-Thurgau/Rivaner,
Auxerrois und Elbling gehen. Aber auch der Riesling sowie die weißen und roten Burgundersorten steuern einen nicht
unerheblichen Teil der vorwiegend trocken vinifizierten Weine bei. Die Erzeugung aller luxemburger Weine ist dreigeteilt.
Das Gros der Winzer (ca. 60%) sind Mitglieder der Genossenschaft, 20% Selbstvermarkter und der Rest der Weinerzeugung und
des Handels unterliegt bekannten Kellereien, die eine lange und erfolgreiche Tradition vorweisen können. Bezeichnend
für die luxemburger Weinbaubetriebe ist der Grad ihrer flächendeckenden Organisation in Interessenverbänden,
die nicht nur in den Bereichen Vermarktung und Weinanbaumethoden tätig sind, sondern sich auch der
Tourismusförderung verschrieben haben.
Wie schon erwähnt stehen Tradition und Moderne einträchtig nebeneinander. Mindestens 2000 Jahre Weinbau unter
Führung und Herrschaft der Kelten, Römer, Franken und kirchlichen Institutionen haben der Region ihren Stempel
aufgedrückt. Nachdem das Herzogtum im 18. Jahrhundert unter der Herrschaft Österreichs stand, die Französische
Revolution den Adel und Klerus praktisch enteignete, wurde auf dem Wiener Kongreß 1815 Luxemburg unter den
Einfluß der Niederlande gestellt. Dies bedeutete den Aufstieg zum Großherzogtum, aber auch den Verlust der
Weinberge auf deutscher Seite. Die nächsten Jahrzehnte waren hart für den gesamten luxemburgischen Weinanbau. Erst
Ende des vorigen Jahrhunderts stieg die Bepflanzungsdichte und somit die Produktionszahlen wieder an.
Bedeutende Daten für die wiedererstarkte Weinkultur waren 1911 die Gründung des Winzerverbandes, 1921 die
Gründung der ersten Genossenschaft, die Schaffung eines staatlichen Weinbauinstitutes in Remich und die Einführung
der Qualitätsbezeichnung „Marque Nationale“ im Jahre 1935. Ähnlich der französischen
„Appellation Controlée“ sollte dieses gesetzlich geregelte Gütesiegel den Wein als hochwertiges
Produkt gewährleisten. 1959 wurde die „Marque Nationale“ um drei zusätzliche Qualitätsmerkmale
erweitert. „Vin Classé“, „Premier Cru“ und „Grand Premier Cru“ sind mit den
deutschen Einstufungen der Qualitätsweine mit Prädikat“ am ehesten zu vergleichen.
Die Innovationsfähigkeit und die Anpassung an die Verbrauchergewohnheiten der letzten Jahre und Jahrzehnte werden
durch die gesteigerten Produktionszahlen an Schaumweinen und „Crémant de Luxembourg“ unterstrichen.
Ebenso findet man im Sortiment einzelner Weingüter, der Genossenschaft und der Handelshäuser eine reichhaltige
Anzahl an feinen Edelbränden. Es bleibt noch zu wünschen, daß sich der Bekanntheitsgrad der luxemburger
Weine und ihrer Erzeuger überregional steigern und der Weintourismus noch ausgebaut werden können. Die
Freundlichkeit und Offenheit der Luxemburger, die oftmals mehrere Sprachen beherrschen, werden weit über die
Landesgrenzen geschätzt. Der Weinverbrauch Luxemburgs, pro Kopf der Bevölkerung einer der höchsten der Welt,
ist bemerkenswert. Aber auch die gastronomische Seite, sei es kleine Landgasthäuser oder edle Spitzenrestaurants,
laden zum Besuch dieses kleinen Fleckchens ein. All dies soll auch in Zukunft so bleiben. |