Rolf Klöckner

Rolf Klöckner ist nicht mehr der Jüngste. Nicht dass sich das in mangelnder Fitness bemerkbar machte – der ehemalige Leistungssportler ist in Topform, und bis auf ein kleines Feinschmeckerbäuchlein von agil-sportlicher Statur. Aber dass er von den Jahren, die er zählt, so fünfzig bis sechzig, sehr viele mit Töpfegucken verbracht hat, wird deutlich, wenn man sich mit ihm auf den Weg ins Gasthaus macht. Herr Klöckner wählt das Ziel. Für die meisten Menschen heißt Herr Klöckner Rolf. Freudige Begrüßung allerorten, sein Revier erstreckt sich vom Saarland über Lothringen bis ins Elsaß und Luxemburg, auch in der Pfalz ward er schon gesehen. Bevor der Gourmetkritiker den Wirten die ersten Fragen stellt, muss er Auskunft geben…wie geht’s dem, was macht jener, ist dieser noch Koch beim Sowieso, hat der xy sein Restaurant noch…und so weiter. Denn sie wissen, der Rolf weiß das alles. In dem klaren Kopf unter der Barrettmütze verschwimmt nichts, dieses Gedächtnis hortet Informationen aus Jahrzehnten. Er kann jederzeit abrufen: wörtliche Zitate von Spitzenköchen, Bezugsquellen- und Verarbeitungsmöglichkeiten sämtlicher – ist man versucht zu sagen – Lebensmittel, empfehlenswerte Restaurantadressen samt Namen und persönlichem Werdegang des Wirtes. Rolf Klöckner lebt heute, im Hier und Jetzt, das heißt, er ist auch elektronisch vernetzt, ohne sein Smartphone, das ihm Schreibstube, Diktiergerät, Fotoapparat, Navigationsgerät, Lexikon, Wecker, Kontaktbörse, Briefkasten oder auch mal Wasserwaage ist, gibt es ihn nicht. Telefonieren kann er auch damit. Ein kurzer Anruf genügt: „Sag mal, wir sind hier gerade in Metz/Nancy/im Bliesgau, wo sollen wir denn hingehen?“ Die Antwort kommt prompt und man kann sich auf die Auskunft verlassen. Die umfassende Kenntnis der Gastronomieszene ist langsam gewachsen. Neugierig und umtriebig, war er schon überall, wollte auch wissen, wo die großen Köche einkaufen, und die erinnern sich gerne – „Weißt Du noch, damals in Rungis?“ (der berühmte Pariser Großmarkt), oder „die fête du foie gras in Phalsbourg“ oder „die Weinprobe in Perl“…

Die berühmten Köche ließen ihn, den begeisterten Hobbykoch auch in ihre Küchen, wo er ehrfürchtig aufsog, was es dort zu lernen gab. In der hoch ambitionierten Küche eines Freundes stürzte sich der zukünftige Autor von Restaurantführern in die Praxis, warteten etwa über hundert Gäste auf Gang drei und sieben ihres großen Menüs – Herr Klöckner übernahm. Die Praxis kennt er auch von ganz anderer Seite. In seinem früheren Leben als Sozialpädagoge sah er Kinder, die ihr Essen so schnell wie möglich runterschlingen, weil sie Angst haben, nicht genug zu bekommen, traf Jugendliche, die kein Spiegelei braten konnten. Besonders schmerzhaft für einen, der mit Gartengemüse und einer hervorragend kochenden Mutter groß geworden ist. Ein Schüleraustausch brachte ihm in Paris den französischen Schliff.

Genuss bedeutet für Rolf Klöckner auch Geselligkeit. Es geht ihm um Menschen, und er wird nicht müde, an ALLE zu appellieren, sich um ihr leibliches und somit seelisches Wohl zu kümmern. Ob dicke oder dünne Brieftasche spielt da nur eine zweitrangige Rolle, jeder sollte gut essen. Wer sich das Restaurant nicht leisten kann, kann mit bescheidenen Mittel gut kochen. Wer keine Zeit hat, kann mit einem Wok schnell kochen. Den ihm anvertrauten Kindern und Jugendlichen kochte er damals auf zwei Gasflammen auf dem Zeltplatz gutes Essen. Den Sinn fürs Menschsein zu wecken, immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Mensch ist, was er isst, darum geht es ihm. Davon handeln alle seine Buchprojekte. Der Regioguide ist nicht zuletzt Ausdruck des großen Respekts vor den Menschen, die mit ihrer Kreativität und Schaffenskraft den Menschen Gutes tun.

Autorin: Astrid Karger

Rolf Klöckner ist Ehrenmitglied des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Entscheidend für die Ernennung waren seine langjährigen und erfolgreichen Bemühungen, Kindern das Kochen als grundlegende Kulturtechnik zu vermitteln.