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Bistro Malzeit im Kunstwerk
Bistro Malzeit im Kunstwerk
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Bistro Malzeit im Kunstwerk
Bistro Malzeit im Kunstwerk
Bistro Malzeit im Kunstwerk
Scheidter Straße 1, 66123, Saarbrücken, Deutschland

13 Jahre existiert es nun, das Kunstwerk Saarbrücken, Bistro Malzeit ! In diesen 13 Jahren entwickelte das Kunstwerk ein einzigartiges Profil, das aus einer abwechslungsreichen Mischung
von Künstlern der Region und weltweit bekannten Größen besteht. Musik- und Tanzfreunde, generationsübergreifend, nehmen dieses Angebot sehr gerne an. Seit einigen Monaten haben
die Betreiber sogar noch eine neue, genussvolle Idee umgesetzt: wenn etwa der von mir sehr geschätzte südamerikanische Musiker Hector Zamora spielt, bietet das Haus eine erweiterte Karte mit spanischen Tapas an! Gibt es einen Chansonabend, stehen etwa Flammkuchen oder coq au vin zusätzlich auf der Karte!Betreiber Lothar Bayer erzählt mir: „Das Ausgehverhalten, die Erwartung und die Kaufkraft der Kunden haben sich verändert. Das Thema Qualität, biologische und frische Küche ist heute der Anspruch, mehr als vor 13 Jahren. Vegetarische Küche war bei uns immer schon ein Thema! Wird aber immer mehr! Deshalb haben wir beim Stammessen auch immer eine vegetarische Variante!“

In Konsequenz dieses Anspruchs entschloss sich Familie Bayer im April einen Küchenmeister einzustellen: Thomas Strauß!

Wichtig für einen Betrieb mit so einem großen Biergarten, ist die Qualität der Speisen. Es gilt, die Menschen, die im Sommer kommen, um die Atmosphäre im Biergarten zu genießen, auch im Winter nicht zu verlieren! Und diese Entwicklung ist eingetreten. Die Bindung vieler Gäste wurde durch ein qualitatives, obwohl etwas teureres Essen, geschafft.

Mein erstes Gericht, welches ich von Thomas Strauß probierte, war ein Rinderbraten. Der Beste, den ich seit Jahren aß… Thomas Strauß kocht eine gutbürgerliche Küche. Er stammt aus Baden-Württemberg, kochte in Sternerestaurants, auch in der Traube Tonbach. Seit 1981 lebt er im Saarland, ist vielen Insidern kein Unbekannter! Er bezieht gute Produkte aus lange bekannten Quellen und hat den Anspruch, dass bei ihm alles handgemacht ist! Der Küchenmeister sagt dazu: „Die Saucen werden alle frisch gemacht, ich verwende kein Pulver oder sowas. Ich koche meine Fonds selber, mache diese Art von Küche schon seit fast 40 Jahren!“

Ich habe im Kunstwerk öfters gegessen! Und es hat richtig Freude gemacht, die Küche von Thomas Strauß zu goutieren. Da weiß einer, wie es geht! Auch die kleine Weinkarte bietet genussvolle Tropfen, die zum Verweilen einladen! Ich freue mich auf die nächste Mahlzeit im Malzeit!

LA MAISON
LA MAISON
LA MAISON
LA MAISON
LA MAISON
Prälat-Subtil-Ring 22, 66740, Saarlouis, Deutschland

Neu eröffnet: Bistro mit Flair

Statt auf italienische Teigware konzentriert sich Günter Wagner aus der saarländischen Pizza-Dynastie heute auf ein ganz besonderes Projekt: In Saarlouis eröffnete er nun das „Pastis“.

In Saarlouis tut sich was: In zahlreichen Stadtteilen wird gebaut, erweitert, renoviert, verschönert. Oberbürgermeister Roland Henz wurde vor kurzem noch in der Berliner Show „Die goldene Henne“ präsentiert, als Vertreter der Stadt, die in den 80er Jahren die erste deutsch-deutsche Städte­partnerschaft besiegelte. Da schrieb Saarlouis Geschichte.

Auch das alte Gebäude des Oberverwaltungsgerichts in der saarländischen Stadt mit dem französischen Flair hat ein neues Gesicht bekommen: das Hotel la Maison und das Bistro „Pastis“ strahlen jetzt hier mit besonderen Angeboten in die Region.

Auch Klassiker wie „Croque Mademoiselle“ werden im Bistro neu interpretiert. - Foto: Dirk Guldner

Auch Klassiker wie „Croque Mademoiselle“ werden im Bistro neu interpretiert. – Foto: Dirk Guldner

Gastgeber in diesem wunderschönen Anwesen ist Günter Wagner. Seine Familie hat die Firma Wagner-Pizza aus dem Saarland zu einer erfolgreichen Marke gemacht. Diese wurde dann vor einiger Zeit an einen Weltkonzern verkauft. Nun engagiert sich Wagner mit voller Kraft für dieses genussvolle Projekt in Saarlouis.

„Niveauvoll und kein Firlefanz“

Günter Wagner stellt mir die Richtung des Bistros „Pastis“ vor: „Es soll ein lockeres Bistro sein, aber schon auf gutem Niveau. Doch wir wollen uns locker präsentieren, familienfreundlich, hier ist jeder willkommen. Wir haben draußen einen wunderbaren Spielplatz. Wir wollen für alle da sein. Kein Firlefanz, eine ehrliche Bistroküche. Mit Boeuf bourguignon, Schnecken und Flammkuchen!“

Ich habe den Eindruck, dass nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde. Diese historische Villa mit gelungenem Anbau und einem wunderschönen Park ist alleine vom Ambiente her ein weiteres Highlight im kulinarisch verwöhnten Saarland. Beste Materialien, edle Stoffe und modernste Haus- und Küchentechnik sprechen dafür eine klare Sprache. Die Innenarchitektur gestaltete Nicolay Design aus Stuttgart, die Einrichtung und das Mobiliar, mit vielen Unikaten, kreierte die Hamburger Künstlerin Conni Kotte. Für die Außenanlagen wurde die Weimarer Firma Dane Landschaftsarchitektur verpflichtet. Und das Corporate Design steht unter der Verantwortung des Saarbrücker Professors Maksimovic. Urban Art: Alles wirkt hell, viele große Fenster mit herrlichem Ausblick in den Park. Vorherrschend helles Holz, alles sehr einladend. Ich schaue mir die verschiedenen Bereiche an, schlendere um die nächste Ecke, da hängt ein Bild von Udo Lindenberg. Wie der Hausherr sagte, alles sehr locker.

Foto: Dirk Guldner

Foto: Dirk Guldner

Das Vier-Sterne-Hotel bietet 35 Zimmer und drei Suiten, das Bistro „Pastis“ bietet neben dem eigentlichen Raum auch noch einen Wintergarten. Im Sommer wird auch im Park eingedeckt. Dazu gibt es noch einen Feinkostladen, in dem hausgemachte und regionale Produkte verkauft werden. Weine natürlich auch. Für Tagungen stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: im Erdgeschoss und auch ein großer Raum im Dachatelier.
Doch kommen wir zum Wesentlichen: zum Essen und Trinken. Die Bestecke stehen auf dem Tisch zum Selbernehmen, wie ich es auch von guten Wirtshäusern und Bistros in Saarbrücken kenne. Das Ganze erinnert mich sehr an die französische Bistrokultur, aus Paris und Nancy etwa. Auf einem Tableau sind die Tagesangebote verzeichnet, die Speisekarte wird von ein paar Metallknöpfen zusammengehalten, sodass ich vermute, dass sie somit schnell austauschbar ist und den Jahreszeiten angepasst werden kann.

Ausgewählte Tropfen

Martin Stopp ist hier Küchenchef, Serviceleiter ist Eugen Kononjuk. Eugen arbeitete schon bei vielen guten Adressen, bis vor ein paar Monaten gestaltete er die Weinkarte bei Klaus Erforts „Hotel Fuchs“ in der Saarbrücker Altstadt. Ein ausgewiesener Weinfachmann und Serviceleiter. Als ich mich etwas umsehe, mit detektivischem Gespür, stelle ich fest: Es gibt hier zwei Weinkarten, die normale und „Eugens Undercoverkarte“ für Weinfreaks. Sehr sympathisch. Auf beiden lassen sich ausgewählte Tropfen finden, auf der normalen stehen exquisite Namen wie Dr. Heger aus Südbaden, Van Volxem von der Saar, Karl Petgen von der saarländischen Obermosel oder auch ein Brouilly von Ferrand aus dem Beaujolais. Auf „Eugens Undercoverkarte“ finde ich hingegen: Dönnhoff von der Nahe, ein Léoville-Barton aus Bordeaux, ein Viognier von M. Chapoutier von der Rhône oder ein Sassicaia aus der Toscana.

Küchenchef Martin Stopp stellt sich selber vor: „Ich bin 35 Jahre alt und stamme aus einer Schwarzenholzer Gastronomenfamilie. Mit zehn kam der Wunsch in mir auf, Koch zu werden. Ich machte meine Ausbildung bei Klaus Erfort im Parkhotel Gengenbach. Das war schon eine neue kulinarische Welt, die ich bei ihm erlebte. Es war beeindruckend zu sehen, was man mit guten Produkten kochen kann. Ich bin danach ins Schloss-Restaurant Röttele nach Baden-Baden. Dort lernte ich Hotel- und Bankettküche. Dann ging es nach Zürich, zur Wirtschaft „Zum Wiesengrund“. Zwei-Sterne-Haus. Dann nach Basel zu Stucki, auch ganz hohes Niveau. Nächste Station war Berlin, da wurde ich Küchenchef im Oktogon. Ganz anders, sehr stylish, neue Erfahrung mit euroasiatischer Fusionsküche.“

Das Konzept im „Pastis“ ist hohes Bistroniveau, mit klassischen französischen und regionalen Einflüssen aus dem Dreiländereck. Gemüse etwa gibt es von Bioland-Denis aus Lisdorf, Qualität ist der Anspruch. Dabei legt die Küche Wert auf moderne Interpretationen, auch der Klassiker.

Nochmals der Küchenchef: „Selbst ein Croque Monsieur, den man heute selten auf einer Bistrokarte findet, an so was gehe ich gerne heran. Oder Salade Nicoise, etwas anders interpretiert. Mit unserem Tartar haben wir uns auch etwas Besonderes ausgedacht. Dabei sind wir sehr selbstkritisch, und freuen uns auch auf Kommunikation mit unseren Gästen.“

Günter Wagner, Martin Stopp und Hotel­direktor Alexander Reber (von links) sehen ge­spannt ihren neuen Aufgaben entgegen. - Foto: Dirk Guldner

Günter Wagner, Martin Stopp und Hotel­direktor Alexander Reber (von links) sehen ge­spannt ihren neuen Aufgaben entgegen. – Foto: Dirk Guldner

Eine sehr interessante, neue Adresse im Land. Hier herrscht Kompetenz und ein gutes Händchen für Qualität zum Wohl der Gäste. Ob der Betreiber darüberhinaus noch eine Feinschmeckerstube einrichtet, steht allerdings bislang noch nicht fest. Zurzeit gibt es einmal im Monat ein Gourmetmenü. Ist doch schon mal ein Anfang.

Le Villageois
52 Rue Principale, 57510 Grundviller, Frankreich
+33 387 026940+33 387 026940

Glück, das man schmecken kann

Marianne und Alain Freymann betreiben im französischen Grundviller, eine halbe Autostunde von Saarbrücken entfernt, das Restaurant „Le Villageois“. Sie haben aus dem einst leer stehenden Lokal ein kleines Juwel auf dem Lande gemacht, das höchsten Ansprüchen genügt.

Dr. Edmund Ringling drehte 1979 und 1980 eine vierteilige Dokumentation für den Saarländischen Rundfunk mit dem Titel: „Geschichte und Kultur Lothringens“. Ich fuhr mit dem Team insgesamt zehn Wochen durch eine meiner Lieblingsregionen Frankreichs. Der Realisator nahm mich morgens immer zur Seite und sagte etwa: „Wenn wir nachher am Drehort angekommen sind, gehen Sie mal ein paar Straßen weiter, da ist ein kleines Restaurant. Bestellen Sie bitte dort einen Tisch.“ Das sagte er fast täglich, und so lernte ich schon als junger Mann die kleinen und sehr guten Dorfgasthäuser Lothringens kennen. Für mich war es ein tolles Erlebnis, all die Spezialitäten, die diese Region zu bieten hat, genießen zu lernen. Es waren wundervolle, kulinarische Erlebnisse. Es war die Zeit, in der ich schätzen lernte, was die Pfeiler der großen französischen Küche sind.

Wie muss sie aber sein, die Gastwirtschaft auf dem lothringischen Lande, die mich interessiert? Sie muss so sein, wie das „Le Villageois“ in Grundviller. Betreiber sind dort Marianne und Alain Freymann. Sie kauften 1987 ein heruntergekommenes, leer stehendes Lokal. Sie arbeiteten an ihrem Traum und peu à peu brachten sie alles auf den modernsten Stand. Die Kraft durchzuhalten sowie Renovierungsarbeiten und die tägliche Arbeit im Restaurant zu bewältigen, gaben ihnen ihre Gäste. Sie nahmen von Anfang an dieses kleine Juwel auf dem Lande an. Und auf diese Weise kamen das Geld und die Motivation für die Seele bei den Eheleuten, um ihr Schmuckstück so herzurichten, wie es ihren Vorstellungen entsprach. 1988 eröffneten Marianne und Alain Freymann dann endlich ihren kulinarischen Traum. Marianne Freymann erinnert sich: „Wir fanden hier bei uns im Dorf etwas. Das war sehr wichtig. Da konnten wir unser eigenes Restaurant aufbauen. Und ich akzeptierte auch nicht, dass so ein guter Koch wie mein Mann in einem Autobahnrestaurant arbeitete.“

Freymann begann 1972 seine Kochlehre beim großen Jean-Claude Schneider in der Auberge St. Walfrid in Saargemünd. Dieses Haus hatte damals schon einen großen Ruf. Sein Chef schickte ihn anschließend auf die große kulinarische Reise durch große Häuser. Er arbeitete im mit zwei Sternen ausgezeichneten „Restaurant de Paris“ in Lille und im „Voile d´Or“ in Cap Ferrat zwischen Nizza und Monaco. Ein edles Haus, in dem viel Prominenz verkehrte. Anschließend zog er weiter in die Nähe von Versailles ins Restaurant „La Poularde“. Zu guter Letzt ging es zurück in die Heimat. Im Sternerestaurant „Anthon“ in Obersteinbach war seine nächste Arbeitsstation. Es folgte ein kurzer Aufenthalt bei Hubert Müller in der Fröschengasse. Dann ging es zu Drei-Sterne-Legende Antoine Westermann und zu Zwei-Sterne-Koch Fernand Mischler. Doch Freymann zog weiter und arbeitete nun sieben Jahre lang in einem Autobahnrestaurant. Er musste Geld verdienen. Sieben Tage die Woche. Als er seine Frau kennenlernte, war diese Zeit vorbei. Sie schmiedeten Pläne für ihr eigenes Restaurant und setzen diese dann um.

Das Haus hat einen wundervollen dörflichen Charakter. Beim Betreten gehen Sie auf eine Theke zu, an der Wand und an den Fenstern stehen einige Tische. Der eigentliche Speiseraum liegt rechts davon, ist sorgfältig und mit viel Geschmack eingedeckt. Weiter hinten befindet sich ein ganz neuer Raum für Feierlichkeiten, mit großen Fenstern, die ihn hell und freundlich erscheinen lassen. Dahinter liegt der Garten mit großer Terrasse. Ich sitze donnerstags zur Mittagszeit auf der sonnenüberflutenden Terrasse des Restaurants. Sie ist restlos besetzt, und ich bin mir sicher – keiner der Kunden ist zufällig da. Einige probieren das Tagesangebot, andere das Menü. Wieder andere entscheiden sich für saisonale Spezialitäten, wie zum Beispiel unterschiedliche Spargelgerichte oder die Klassiker des Hauses. Morgens um zehn war ich schon da und durfte mit dem Chef und seiner rechten Hand Nicolas Sardo in die Küche. Auf dem großen Gasherd stand ein riesiger Topf mit Hühnerfrikassee. Die beiden Köche bereiteten den Spargel vor. Ich schaute mich etwas um und hatte ziemlich schnell den Eindruck: alles Handarbeit.

Hier wird der Kalbskopf mit Sauce gribiche und einer selbst aufgeschlagenen Mayonnaise vorbereitet. Die Sauce gribiche wird aus hartgekochtem Eigelb, Kapern, Gurken, Senf, Essig und Öl hergestellt. Dabei wird das Eigelb so fein gehackt, dass es zu einer Paste wird. Die fein gehackten Gurken und Kapern werden am Ende untergehoben. Eine Sauce gribiche ist traditionell etwas säuerlich. Sie schmeckt perfekt zu Kalbskopf oder hausgemachten Terrinen. Auch Foie Gras und Bauernterrine sind hier hausgemacht. Überzeugend. Ich probierte den Krebsschwanzsalat und war begeistert. Der Schinken stammt vom benachbarten Bauernhof und wird selber geräuchert. Delikat. Das war es, was mich vor vielen Jahrzehnten so begeisterte. Dieses immense Wissen um Handwerk und Kochkunst. Es sind nicht nur die teuren Produkte, die den Genuss bringen. Es ist das Wissen, dass man aus allem etwas Schmackhaftes machen kann. So muss es schmecken, das Glück auf dem Lande. 30 Minuten fährt man von hier bis Saarbrücken etwa, doch die Reise lohnt sich. Alain Freymann erklärt mir beim Abschied seine Philosophie: „Wichtig ist immer, die besten Produkte zu bekommen. Ich bin dreimal die Woche auf dem Großmarkt in Saarbrücken. Ein Koch muss auf den Markt gehen, um seine Produkte zu finden. Dort kaufe ich dann die besten Gemüse, die meisten Fleischprodukte und meinen Fisch. Wir richten uns auch nach dem Geldbeutel der Kunden.“

Der Besuch im „Le Villageois“ war für mich eine Reise zurück zu den ersten Eindrücken, wie ich die lothringische Küche lieben lernte. Es war der Beginn einer langen Reise, auf der ich viele große Köche kennenlernte. Doch diese Reise hätte nie stattgefunden, ohne meine kulinarische Mission für das Team des Saarländischen Rundfunks vor mehr als 30 Jahren.

Pauli Michels
Pauli Michels
Pauli Michels
Pauli Michels
Hauptstraße 1, 66709, Weiskirchen, Deutschland

Röstprofi mit Gewissen

Im Café Collage in Weiskirchen entwickelt Pauli Michels seit 1985 seine Rösterei zur Perfektion. Dabei achtet der Kaffeeexperte auf Nachhaltigkeit und Transparenz.
Vor vier Jahrzehnten machte sich ein junger Mann aus Weiskirchen auf, um in der Kaffeebranche neue Maßstäbe zu setzen. Er hatte eine Passion: den Kaffee. Nach einer langen Lehrzeit und Wanderschaft in den Kaffeemetropolen Bremen, Hamburg und Frankfurt ging er zurück ins Saarland. Er hatte eine Vision, er wollte keinen Kaffee machen wie er in der Großindustrie produziert wird. Er suchte nach den besten Rohstoffen, die man auf diesem Planeten finden kann. Er entwickelte seine eigene Philosophie vom Rösten, viel schonender und individueller für jede Sorte als es sonst üblich ist. Er eröffnete in der Nähe von Weiskirchen das Café Collage und richtete im Keller eine kleine Rösterei ein.

An sommerlichen Sonntagen backten Oma und Mutter Kuchen nach traditionellen Rezepten, und er präsentierte seine ersten eigenen Kaffees. Oft spielte auch eine Jazzkapelle im Garten, und das Café Collage wurde ein bekannter Ausflugstipp für ein verlängertes Frühstück. Den Menschen schmeckten der Kaffee und die selbst gebackenen Kuchen. Er präsentierte seine Kaffeeröstungen den saarländischen Restaurants. Ein Gastro-­nom berichtet: „Pauli Michels kam eines Tages vorbei und fragte, ob ich seine Kaffees kaufen wolle. Am Tresen in meinem Restaurant saß eine Gruppe an der Theke, um einen Digestif mit Espresso zum Abschluss ihres Menüs einzunehmen.

Ich stellte ihnen zu dem Espresso unseres Hauses als Alternative den Kaffee von Herrn Michels dazu. Auf meine Frage, welcher besser schmecke, antworten alle: DER. Das war Michels Kaffee. Seit diesem Tag kaufen wir alle unsere benötigten Sorten bei ihm.“

Diese Geschichte muss sich wiederholt haben, denn viele Restaurants unserer Region, die für Qualität stehen, präsentieren den Kaffee aus Weiskirchen.

„Mit Leidenschaft auf der Suche nach den weltweit besten Kaffee-Qualitäten.” Dieses Zitat drückt sowohl die Passion als auch die Philosophie von Firmengründer und Röstermeister Pauli Michels aus. Bei der Auswahl der Rohkaffees stellt er höchste Anforderungen an Transparenz über Herkunft sowie Reinheit und Geschmack der Kaffeesorten. Nur nach gewissenhafter Prüfung der Kaffeeproben bestätigt er den Einkauf eines Rohkaffees. Nach den gleichen strengen Prinzipien werden die ausgewählten Rohkaffees ausschließlich in der eigenen, zertifizierten Produktionsstätte geröstet und zu exzellenten Mischungen komponiert. Das schmeckt man den Pauli-Michels-Kaffeespezialitäten an. Sie sind nicht aggressiv geröstet und verfügen über einen wundervollen Geschmack.

Pauli Michels und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich der Nachhaltigkeit verpflichtet und bemühen sich kontinuierlich, dies auf allen Ebenen ihrer Aktivitäten zu berücksichtigen. Ihr Motto ist immer: „Qualität statt Quantität.”

Das ist der Leitfaden für konsequente Einkaufsstrategie und generell das Motto des Unternehmens. Deshalb sind über 70 Prozent – Tendenz steigend – ihrer Rohkaffees mit Gütesiegel und/oder anderen Qualitätszertifikaten wie BIO, Utz Certified, Fair Trade, Rain Forest Alliance und Wildforest versehen. Rare Kaffees bisher unbekannter Herkunft in Deutschland werden nach ethischen Grundsätzen ausgewählt und meist direkt eingekauft; viele Raritäten stammen aus organischem Anbau, auch wenn sie teilweise noch ohne Zertifikat sind.

Die Kaffeerösterei Pauli Michels erhielt bereits 2005 das BIO-Siegel für regelgerechte Lagerung, Produktion und Weiterverarbeitung der eingekauften Bio-Rohkaffees. Alle Produktionsvorgänge finden in Weiskirchen statt. Geröstet werden die selektionierten Rohkaffees mit produkt- und umweltschonenden Röstverfahren: die Espressokompositionen werden im traditionellen „italienischen“ Trommelröstverfahren originalgetreu zubereitet. Selbstverständlich beliefert er damit auch Kunden in Italien. Die feinen entkoffeinierten Bio-Kaffees werden mit einem neuartigen Wasserdampfverfahren (Swisswater) entkoffeiniert, ohne chemische Zwischenstufe, und behalten so zu 100 Prozent ihr BIO-Siegel.

Produkt- und umweltschonende Röstverfahren

Die Fachhändler bilden sich bei ihm weiter. Kaffeeschulungen gehören mittlerweile fest zum Serviceangebot des Hauses. Für die Aus- und Fortbildung von Fachpersonal aus der Gastronomie und dem Einzelhandel bietet das Weiskircher Unternehmen spezielle Aufbaukurse und technische Grundkurse an. Der zunehmenden Nachfrage von Kaffeeliebhabern nach mehr Kaffeeweisheit kommen sie mit Gruppenseminaren und praktischer Vorführung entgegen. Denn nur Unwissende konsumieren Minderwertiges. Ein Teilnehmer notierte: „Alles in allem war das Seminar sehr gelungen. Ich kann nur jedem Kaffeefan empfehlen, auch einmal ein solches Seminar zu besuchen. Falls es einmal eine ‚Fortgeschrittenenversion‘ davon geben sollte, in der nur auf die Zubereitung und die Maschinen eingegangen wird, bin ich so gut wie angemeldet.“

Der Mann aus dem Hochwald ist in der Kaffeewelt schon lange kein Unbekannter mehr. Durch die „Deutsche Meisterschaft der Kaffeeröster“, „Kaffeeröster des Jahres“ und vielen anderen Titeln mehr, ist er in der Branche sehr geachtet. Matthias Schülke von der Bremer Firma F.L. Michaelis, einer Kaffee- und Teeimportfirma, hat dazu eine klare Meinung: „Wir beliefern schon seit Jahren Pauli Michels und sind auch stolz, dass wir das dürfen. Er bestellt hervorragende Qualitäten und hier merkt man eben, dass er Ahnung vom Rösten hat. Die Kaffees sind ausgeröstet und ausgewogen. Ich betreue in ganz Deutschland viele Kunden in diesem Segment, wo es oft an Kompetenz fehlt. Die Perfektion findet man bei Pauli Michels, das kann ich unterschreiben.“

Gerne gehen Michels und seine Leute auch vor Ort. Ausgestattet mit professionellem technischem Equipment und Porzellan, von erfahrenem Fachpersonal bedient, praktisch und repräsentativ für jeden Anlass – von der privaten Familienfeier bis zum großen Firmenevent – hinterlassen seine mobile Kaffeebar und das Kaffeemobil stets einen optimalen Eindruck bei jedem Einsatz, egal ob 50 oder 5.000 Gäste erwartet werden. Die formschönen Theken- und Möbel-Equipments sind zum Großteil firmeneigene Entwürfe, die hausintern entwickelt und in Produktion gegeben wurden. Für jeden Anlass steht ein passendes Modell zur Wahl: von der Kaffeebar im italienischen Stil mit variabler Holztheke bis zum modernen Kaffeemobilanhänger mit integriertem Stehtisch für Messen und Märkte. Das Pauli -Michels-Fachpersonal serviert mit dem mobilen Equipment professionell alle Kaffee- und Tee-Heißgetränke.

Kaffeestores in ganz Deutschland sind bereits in Planung

Zurzeit plant der rührige Unternehmer, zusammen mit einem Produzenten edler Stühle, Kaffeestores in ganz Deutschland, in denen man den Möbelkauf mit dem Genuss seiner edlen Kaffeemischungen kombinieren kann. Außerdem zieht es ihn mit einem weiteren Projekt ins St. Wendeler Land, doch mehr war noch nicht zu erfahren, geheime Planung.

Sein Herzensprojekt ist „der Gorilla-kaffee“. Die Geschichte des Kaffees begann bei einem gemeinsamen Fernsehauftritt mit dem Künstler Matto Barfuß. Dieser wurde bekannt, weil er der Öffentlichkeit nie gesehene Aufnahmen von Geparden präsentierte. Matto Barfuß berichtete damals von den schrecklichen Ereignissen um die Gorillafamilie Rugendo.

Pauli Michels ließ das nicht mehr los und eines Tages klingelte das Telefon in Mattos Galerie: „Wie wär‘s, machen wir einen Gorillakaffee?“ Gute Idee – zumal zwei „Macher“ zusammenkamen und Mattos Gorilla-Buch für die Kinder im Kongo auch dringend finanziert werden musste. Pauli Michels begeisterte den Rohkaffeehändler Thomas Stehl für die Idee und überzeugte viele Händler, auf Teile ihres Gewinns zu verzichten.

Matto Barfuß hingegen gab dem ganzen Projekt eine Geschichte und kreierte das Etikett und den Flyer. „Es ist eine große Aufgabe, unsere nahen Verwandten vor dem Aussterben zu bewahren,“ schwärmt der Kaffeeröster mit dem Herzen am rechten Fleck.

„Wie macht man nun aber einen guten Kaffee, sagen wir mal einen Espresso?“, frage ich den Meister. Pauli Michels erklärt: „Der gute Espresso muss, wie ein edler Rotwein, ruhen. Er muss sich ausruhen und sich entwickeln können. Er muss ausgasen, damit die verschiedenen Sorten miteinander reagieren. Somit verbinden sich die Aromen miteinander, und erst dann wird der Kaffee angenehm weich, mild und komplex im Geschmack. Danach muss er liegen, erst 14 Tage nach der Produktion darf er in die Mühle.“ Der Röstprofi lächelt und wirft endlich die Maschine an.

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